© UNICEF/UNI962591/ElfatihSudan Hungersnot: Oberarmmessung bei Mädchen
Kinder weltweit

Die vergessene Krise: Hungerkatastrophe gefährdet Kinder im Sudan

Der Hunger im Sudan hat ein katastrophales Ausmaß erreicht: In Teilen des Landes herrscht eine Hungersnot, Hunderttausende Kinder sind lebensbedrohlich mangelernährt. Wir erklären Hintergründe und wie UNICEF Hilfe leistet.

Die Lage der Kinder im Sudan ist dramatisch. Der Krieg, der im April 2023 ausgebrochen war, hat zu einer katastrophalen humanitären Situation geführt. Millionen Menschen sind im eigenen Land vertrieben. Und: Der Krieg hat eine der größten Hungerkrisen der Welt ausgelöst.

In Teilen Sudans herrscht eine Hungersnot

Besonders stark vom Krieg betroffen sind im Sudan die Bundesstaaten Darfur und Kordofan. Hunderttausende Menschen sind in den letzten Monaten vor der schweren Gewalt geflohen. Wegen des Konflikts, der Vertreibung und des erschwerten Zugangs für humanitäre Hilfe mussten Familien monatelang ohne verlässlichen Zugang zu Nahrungsmitteln auskommen. Die Märkte sind zusammengebrochen, und die Preise für Grundnahrungsmittel sind drastisch gestiegen. Im November 2025 wurde in der Stadt Al-Fashir in Nord-Darfur und Kadugli in Süd-Kordofan eine Hungersnot festgestellt.

Eine Hungersnot bedeutet, dass mindestens jedem fünften Haushalt in einer bestimmten Region nahezu vollständig Lebensmittel und/oder andere lebenswichtige Dinge wie Trinkwasser fehlen. Zahlreiche Menschen hungern, sind mangelernährt und sterben an den Folgen des Hungers (mindestens zwei Menschen pro 10.000 Einwohner jeden Tag). Zu den Kriterien für eine Hungersnot zählt auch, dass mehr als 30 Prozent der Kinder unter fünf Jahren an akuter Mangelernährung leiden.

Info

Ob eine Hungersnot besteht, wird von internationalen Expert*innen aus UN-Organisationen und Nichtregierungsorganisationen  auf Grundlage der sogenannten "IPC-Phasen" bewertet. IPC steht für "Integrated Food Security Phase Classification". Die Phasen reichen von Phase eins "Minimal" über "Strapaziert" (Englisch: Stressed), "Krise" (Crisis), "Notsituation" (Emergency) bis hin zu Phase fünf "Hungersnot" (Famine).

Es ist zu befürchten, dass in den kommenden Monaten noch mehr Regionen im Sudan von einer Hungersnot betroffen sein werden, wenn der Konflikt sowie die massenhafte Vertreibung anhalten, Vorräte zur Neige gehen, Preise weiter ansteigen und humanitäre Lieferketten gestört sind. Lebensrettende Hilfe wird dringend benötigt, um Menschenleben zu retten. Die Kinder und Familien brauchen schnellstmöglich, uneingeschränkten Zugang zu Lebensmitteln, Wasser und Medikamenten.

In unserem Newsticker informieren wir Sie regelmäßig über die aktuellen Entwicklungen und zur Lage der Kinder im Sudan.

Wir dürfen nicht zulassen, dass noch mehr Kinder ihr Leben verlieren. Es braucht jetzt einen Waffenstillstand, diese menschengemachte Tragödie muss endlich gestoppt werden. Jeder Tag ist für die Kinder eine Frage von Leben und Tod.

Christian Schneider, Geschäftsführer UNICEF Deutschland, reiste im November 2024 in den Sudan

Lebensbedrohliche Mangelernährung bei Kindern im Sudan verschärft sich

Tayba konnte mit ihren Kindern und selbst hochschwanger vor den Kämpfen aus Al-Fashir fliehen. Im Straßengraben, inmitten von eskalierenden Kampfhandlungen, brachte sie ihre Zwillinge zur Welt. Stress und Hunger ließen ihre Milch versiegen – völlig erschöpft und ausgezehrt erreichte die Familie schließlich Tawila in Nord-Darfur.

Der Zustand der Zwillinge war sehr schlecht, sie waren mangelernährt und bereits ziemlich geschwächt. Im Ernährungszentrum von Tawila wurden die beiden untersucht und bekamen therapeutische Spezialnahrung.

Sudan Hungersnot: Mutter mit Zwillingen

Bei der Ankunft in Tawila ging es Tayba und ihrer Familie sehr schlecht. Sie ist glücklich, dass sich ihre Zwillinge dank Spezialnahrung langsam erholen.

© UNICEF/UNI914612/Jamal

In Tawila kommen unentwegt Kinder schwach und mangelernährt an. Gemeinsam mit Partnern versorgt UNICEF Kinder und Mütter mit Spezialnahrung, Vitaminen oder auch Entwurmungstabletten. "Sie haben ihnen Spezialnahrung gegeben und sie essen tüchtig", sagt Tayba mit einem erleichterten Lächeln.

Nothilfe Sudan

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UNICEF geht davon aus, dass 2026 im Sudan mehr als vier Millionen Kinder unter fünf Jahren an akuter Mangelernährung leiden werden – über 825.000 von ihnen an der schwersten Form der Mangelernährung, die lebensgefährlich ist. Der Sudan weist eine der weltweit höchsten Raten von Mangelernährung bei Kindern auf. Wird diese nicht rechtzeitig behandelt, kann sie schwere Folgen für die Entwicklung von Kindern haben. Im schlimmsten Fall sterben Kinder.

Tausende Kinder, die unter schwerer akuter Mangelernährung leiden, befinden sich in Regionen, in denen ständig gekämpft wird und die deshalb schwer zu erreichen sind. Wiederholte Krankheitsausbrüche, wie beispielsweise Cholera, Malaria oder Masern, verschärfen ihre Lage zusätzlich.

Insgesamt leiden 21 Millionen Menschen im Sudan unter akutem Hunger. Das bedeutet, dass etwa die Hälfte der vom Krieg gezeichneten Menschen im Sudan jeden Tag darum kämpfen muss, sich und ihre Familien zu ernähren.

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Hunger im Sudan – Das sind die Ursachen

Hunger und Mangelernährung haben verschiedene Ursachen, die im Sudan zusammenkommen. Wenn Nahrungsmittel kaum zugänglich sind, die Gesundheitsversorgung und auch die humanitäre Hilfe stark eingeschränkt sind und sich Krankheiten ausbreiten, führt dies dazu, dass Menschen akut unter Hunger leiden.

Krieg und Gewalt als Ursache von Hunger im Sudan

Aufgrund der anhaltenden, schweren Kämpfe zwischen den Konfliktparteien in zahlreichen Bundesstaaten sind viele Menschen nicht in der Lage, ihre Felder zu bestellen oder mussten ihre Heimat ganz verlassen. Immer wieder kommt es zu Plünderungen von privaten Beständen, Angriffen auf Märkte oder Unterbrechungen der Versorgungswege. Die landwirtschaftliche Produktion ist in der Folge stark eingebrochen.

In Konflikten kommt oft die Person in einer Familie ums Leben, die den Großteil des Einkommens aufbringt und die Familie ernährt. Familien werden auseinandergerissen und können ihren Lebensunterhalt nicht mehr ohne Hilfe bestreiten. Viele Eltern geraten in Armut und haben Schwierigkeiten, ausreichend Lebensmittel für ihre Kinder zu beschaffen und zu bezahlen. Nicht selten müssen Familien zu verzweifelten Maßnahmen greifen: Sie essen nur noch einmal täglich, rationieren die Portionen oder greifen auf Tierfutter, Blätter und Wurzeln zurück.

Sudan Hungersnot: Mutter Ohag pflegt ihr Gemüse in ihrem kleinen Garten

UNICEF stattet Mütter mit Saatgut aus und schult sie darin, Gemüse in einem eigenen, kleinen Garten anzubauen, wie hier in Kassala.

© UNICEF/UNI524484/Mohamdeen

Auch Schulen Orte, an denen Kinder oft eine warme Mahlzeit bekommen, sind aufgrund der Gewalt zum Großteil geschlossen. Rund acht der insgesamt 19 Millionen Kinder im schulpflichtigen Alter können bereits seit Monaten, teilweise sogar Jahren, nicht zur Schule gehen.

Die Menschen sind dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen. Doch große Teile des Sudan sind aufgrund von Unsicherheit, zerstörter Infrastruktur und bürokratischen Hürden von humanitärer Hilfe abgeschnitten. Besonders stark eingeschränkt ist der Zugang in den Regionen Darfur, Kordofan und Teilen des Blauen Nils – viele der am stärksten gefährdeten Kinder können dort nicht mit humanitärer Hilfe erreicht werden.

Flucht als Ursache der Hungerkrise im Sudan

Millionen Menschen mussten wegen des Kriegs aus ihrer Heimat fliehen, viele wurden sogar mehrfach vertrieben. Die meisten von ihnen – 9,5 Millionen Menschen – sind Binnenvertriebene, also innerhalb des Landes vertrieben; ein kleinerer Teil ist in Nachbarländer wie Tschad, Südsudan oder Ägypten geflohen. Drei von fünf Vertriebenen sind Kinder.

Wenn Menschen gezwungen werden, aus ihrer Heimat zu fliehen, müssen sie meist alles aufgeben. Sie können ihre Felder nicht mehr bestellen, verlieren ihre Jobs und somit ihre Lebensgrundlage.

Sudan Hungersnot: Noura sitzt in einem Zelt eines Flüchtlingscamps

Die 13-jährige Noura musste ihr Zuhause in Darfur verlassen und lebt nun in einer Unterkunft für Geflüchtete. Trotz allem hält sie an ihrem Traum fest, Ärztin zu werden.

© UNICEF/UNI569480/Zakaria

Auf der gefährlichen Flucht ist es für Familien schwierig, Lebensmittel oder sauberes Wasser zu kaufen und ihre Kinder zu versorgen. Viele Kinder kommen nach einer herausfordernden Flucht mangelernährt und krank in Flüchtlingscamps an. Manche von ihnen wurden von ihren Familien getrennt und sind ganz allein und ohne jeden Schutz unterwegs.

In den teils überfüllten Camps gibt es oft nicht genügend zu essen und viele Menschen sind auf die Verteilung von Lebensmitteln durch Hilfsorganisationen angewiesen. Wegen der Gewalt sind sie in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt und können keine Arbeit finden, um Geld zu verdienen und Lebensmittel zu kaufen.

Die Nachbarländer des Sudan, in denen Hunderttausende Menschen Zuflucht suchen, kämpfen zum Teil selbst mit einer schwierigen Versorgungslage. Die Aufnahme einer großen Zahl Geflüchteter aus dem Sudan verschärft die Situation dort.

Die Wirtschaftskrise und Armut im Sudan verschärfen die Hungerkrise

Der Sudan ist eines der ärmsten Länder auf dem afrikanischen Kontinent. Schon vor dem aktuellen Konflikt wussten etliche Familien nicht, wie sie sich und ihre Kinder ausreichend ernähren sollten. Nun hat sich ihre Lage noch einmal verschlechtert.

Der Krieg hat die bestehende Wirtschaftskrise im Sudan deutlich verstärkt: Die Lebensmittelproduktion ist eingebrochen, im ganzen Land herrscht ein enormer Mangel an Bargeld und die Gewalt sowie regelmäßige Unterbrechungen der Kommunikationskanäle behindern den Handel.

Ein Großteil der sudanesischen Bevölkerung ist inzwischen arbeitslos und Millionen Menschen leben in Armut. Die Inflation ist stark angestiegen und die Lebensmittelpreise sind explodiert. Viele Menschen können sich kaum noch etwas leisten.

Dürren und Überschwemmungen erschweren die Versorgung der Menschen

Der Sudan ist eines der Länder, die besonders stark vom Klimawandel betroffen sind. Die Menschen leiden unter steigenden Temperaturen, häufigen Dürren und wiederkehrenden Überschwemmungen.

Die Klimaveränderungen haben schwerwiegende Folgen für die Landwirtschaft und Lebensgrundlagen der Menschen: Dürren führen dazu, dass Ernten verdorren und das Vieh verendet. Insbesondere für Menschen, die in ländlichen Gebieten leben, bedeutet dies den Verlust ihrer Lebensgrundlage.

Sudan Hungersnot: Ein Junge auf einem Esel vor einem verschmutzten Wasserloch

Für die Menschen in Agig im Osten Sudans ist es eine große Herausforderung, sauberes und sicheres Wasser zu bekommen. Die Region kämpft mit Wassermangel und häufig wiederkehrenden Dürren.

© UNICEF/UNI503138/Elfatih

Durch wiederkehrende Dürreperioden versiegen zudem immer wieder Wasserquellen, was den Zugang zu sauberem Wasser erschwert. Wenn es nach langen Trockenphasen dann sehr stark regnet, können die Böden das Wasser nicht aufnehmen und es kommt zu Überflutungen, die wiederum zu Zerstörungen in der Landwirtschaft führen.

Bricht die Produktion in der Landwirtschaft aufgrund von Dürren oder anderen Naturkatastrophen ein, steigen die Preise für Lebensmittel erheblich und sind für viele Familien kaum noch erschwinglich.

Kinder im Sudan sind dringend auf Ernährungshilfe angewiesen

Wenn Mangelernährung bei Kindern nicht rechtzeitig behandelt wird, kann sie schwere Folgen für ihre Entwicklung haben und im schlimmsten Falle zum Tod führen.

Der Krieg im Sudan erschwert die Behandlung mangelernährter Kinder, denn das Gesundheitssystem befindet sich in einer schweren Krise: Rund 70 Prozent der Gesundheitseinrichtungen sind nicht mehr funktionstüchtig. Das bedeutet, dass Kinder nicht angemessen versorgt werden können.

Zudem ist es schwierig, betroffene Kinder überhaupt zu erreichen und zu identifizieren. Meist befinden sie sich in Regionen, die besonders stark umkämpft sind.

Sudan Hungersnot: Kleinkind isst Erdnusspaste

Mujahid kam mit seiner Mutter krank und schwer mangelernährt im Flüchtlingslager Goz Alsalam im Bundesstaat Weißer Nil an. Der 20 Monate alte Junge hat sich durch therapeutische Spezialnahrung langsam wieder erholt.

© UNICEF/UNI951427/Dawod

Mangelernährte Kinder sind zudem anfälliger für Krankheiten wie Cholera, Malaria oder Masern. Denn durch fehlende Nährstoffe wird die körpereigene Immunität geschwächt und das Risiko, an einer Erkrankung zu sterben, steigt.

Krankheiten haben sich im Sudan zuletzt vermehrt ausgebreitet, beispielsweise weil die Impfquoten stark zurückgegangen sind und Menschen einen immer schlechteren Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Anlagen haben. Die Impfquote bei Kindern unter fünf Jahren ist von 85 Prozent vor dem Krieg auf etwa 50 Prozent gesunken. Millionen Kinder sind durch Krankheiten bedroht, besonders durch Malaria.

So hilft UNICEF gegen den Hunger im Sudan

Trotz der herausfordernden Situation setzt UNICEF alles daran, den Kindern im Sudan zu helfen. Mobile Gesundheits-und Ernährungsteams sind überall im Einsatz, um mangelernährte Kinder zu untersuchen, zu identifizieren und sie mit lebensrettender therapeutischer Nahrung zu behandeln.

Im Rahmen von Ernährungskampagnen beraten Gesundheitshelfer*innen Eltern auch, wie sie ihre Kinder mit allen wichtigen Nährstoffen versorgen können.

Darüber hinaus unterstützt UNICEF Schwangere sowie Gesundheitseinrichtungen und -Personal: Krankenhäuser werden mit medizinischer Ausrüstung ausgestattet und Gesundheitspersonal in verschiedenen Bereichen geschult.

2025 haben unsere Kolleg*innen im Sudan insgesamt 6,8 Millionen Kinder unter fünf Jahren auf Mangelernährung untersucht und 612.000 von ihnen gegen schwere akute Mangelernährung behandelt.

Neben lebensrettender Hilfe für mangelernährte Kinder bringt UNICEF auch andere Hilfsgüter in den Sudan, wie zum Beispiel Hygieneprodukte, Impfstoffe oder Moskitonetze.

Sudan Hungersnot: UNICEF-Mitarbeiterin gibt Mutter Spezialnahrung

Sozialarbeiter*innen wie Tawsal beraten Familien zu Hygiene- und Ernährungsfragen. Bei Tür-zu-Tür-Kampagnen klären sie auf und untersuchen Kinder zusätzlich auf Mangelernährung.

© UNICEF/UNI962620/Elfati

Wie kann ich Kindern im Sudan helfen?

Die öffentliche und mediale Aufmerksamkeit für die Lage im Sudan ist gering. Und das, obwohl sich dort eine dramatische humanitäre Krise abspielt.

Unsere Kolleg*innen bleiben weiter an der Seite der Kinder und geben jeden Tag alles, um sie zu unterstützen. UNICEF leistet Hilfe sowohl in Regionen, in denen besonders viele Familien Zuflucht suchen, als auch in Konfliktgebieten.

Sie können die Arbeit von UNICEF mit Ihrer Spende unterstützen. Jeder Beitrag zählt!

Hilfe für die Kinder im Sudan

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Autor*in Stefanie Hack

Stefanie Hack arbeitet als Redakteurin mit dem Fokus Nothilfe. Im Blog schreibt sie über die weltweite Arbeit von UNICEF und entwicklungspolitische Themen.