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Kinder weltweit

Wie ist es, jetzt in Afghanistan ein Kind zu sein?

Afghanistan ist einer der gefährlichsten Orte der Welt, um ein Kind zu sein. Und das nicht erst seit der Machtübernahme der Taliban im August 2021. Wie ist es, dort aufzuwachsen? Dieser Beitrag soll helfen, sich ein Stück weit in die Situation der Mädchen und Jungen hineinzufühlen.

Donnerstag, 24.03.2022, 00:00 Uhr

von Laura Sandgathe  •  3 Kommentare

7 Dinge, die Sie über das Leben der Kinder in Afghanistan wissen sollten

Zunächst ein paar Eckdaten zum Land: Afghanistan ist ein Binnenstaat in Asien. Es grenzt an Pakistan, China, Tadschikistan, Usbekistan, Turkmenistan und den Iran. Es gibt einige größere Städte wie die Hauptstadt Kabul, Kandahar, Herat, Mazar-i Sharif oder Kundus. Doch ein Großteil der Menschen lebt auf dem Land, viele von ihnen in sehr schwer zugänglichen, gebirgigen Regionen, wo das Überleben oft mühsam ist. Weithin bekannt ist der Hindukusch, das riesige Gebirge, dessen überwiegender Teil in Afghanistan liegt. 

Etwa 40 Prozent der Erwerbstätigen arbeiten in der Landwirtschaft, knapp 40 Prozent im Dienstleistungssektor. Armut ist ein verbreitetes Problem. 2021 lag Afghanistan auf Platz 6 der ärmsten Länder der Welt. Die politische Situation ist seit längerer Zeit hochgradig instabil. Immer wieder flammte die Gewalt auf, und auch Kinder wurden verletzt und getötet. Familien flohen vor den Gefechten. Im August 2021 kam dann die erneute Machtübernahme der Taliban.

Derzeit ist mehr als die Hälfte der Bevölkerung auf humanitäre Hilfe durch Hilfsorganisationen angewiesen. Das ist ein Anstieg um 25 Prozent seit Anfang 2021. Simulationen haben ergeben, dass bis Mitte 2022 97 Prozent der Menschen in Afghanistan in Armut leben könnten, wenn dem Land nicht schnell geholfen wird. "Wir werden mehr und mehr Not sehen", erwartet auch UNICEF-Sprecher Salam Al-Janabi. Das hat auch damit zu tun, dass wir von UNICEF seit der Machtübernahme der Taliban Zugang zu Gebieten haben, zu denen wir zuvor keinen hatten. Dort wird nach und nach deutlich, wie groß der Bedarf an Hilfe ist.

Wie ist es, unter diesen Bedingungen ein Kind zu sein? In diesem Beitrag versuchen wir, uns der Antwort auf diese Frage anzunähern. Dazu haben wir sieben Fakten für Sie gesammelt. Doch zuerst:

Wie viele Kinder gibt es in Afghanistan?

In Afghanistan leben etwa 38,9 Millionen Menschen. Rund 41 Prozent davon sind dem United Nations Population Fund zufolge Kinder zwischen 0 und 14 Jahren. Rund zehn Millionen afghanische Mädchen und Jungen brauchen humanitäre Nothilfe.

Wie ist das Leben der Kinder in Afghanistan? 

1. Kinder hungern: Drei Mahlzeiten pro Tag sind die absolute Ausnahme

Für ein Kind in Afghanistan ist es sehr wahrscheinlich, dass es heute nicht satt wird. Und morgen auch nicht, genauso wenig übermorgen. Die politische Unsicherheit und der dadurch verursachte Niedergang der Wirtschaft, eine schwere Dürre und die Folgen der Corona-Krise haben vielen Familien ihre Lebensgrundlage genommen. Viele haben mittlerweile alle Reserven aufgebraucht und kaum Geld für Lebensmittel. UNICEF-Mitarbeiter Salam Al-Janabi hat in der Provinz Herat mit Familien gesprochen. Er berichtet, dass viele nichts als trockenes altes Brot essen, getunkt in Tee. 

Unterernährung ist ein großes Problem im Land. Im September und Oktober 2021 wussten einer Analyse zufolge 19 Millionen Menschen im Land nicht, wie und woher sie ihre nächste Mahlzeit bekommen sollten. Das ist etwa die Hälfte der Bevölkerung. Und die Prognosen für die kommenden Monate sind besorgniserregend. Es wird erwartet, dass die Zahl schnell steigen wird.

Afghanistan Kinder: Porträt eines Jungen in einem therapeutischen Ernährungszentrum in Herat

In dem von UNICEF unterstützten Zentrum für therapeutische Ernährung in Herat erhält der 15 Monate alte Javid therapeutische Nahrung und medizinische Versorgung.

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Für Kinder wird der Hunger besonders schnell lebensbedrohlich. Unsere Expert*innen schätzen, dass jedes zweite afghanische Kind unter fünf Jahren unterernährt ist. Mindestens eine Million Kinder sind in Gefahr, lebensbedrohlich mangelernährt zu sein. Sie könnten sterben, wenn ihnen nicht schnell geholfen wird.

Eine Schwierigkeit dabei stellt der drohende Kollaps des Gesundheitssystems dar. In einem funktionierenden System gäbe es ausreichend Kliniken und Ärzt*innen, die Mangelernährung bei Kindern behandeln würden. Doch in Afghanistan braucht es Hilfsorganisationen wie UNICEF, um die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung zu sichern.

Wir von UNICEF helfen mangelernährten Kindern mit Spezialnahrung wie Erdnusspaste. Durch die Behandlung geht es den meisten Kindern innerhalb von sechs Wochen deutlich besser. Diese Hilfe wird ergänzt durch das Verteilen von Lebensmitteln, etwa durch das Welternährungsprogramm.

Afghanistan Kinder: Helfer des Welternährungsprogramms verteilen Lebensmittel

Ein Helfer des Welternährungsprogramms transportiert Lebensmittel für eine Familie. Immer mehr Menschen in Afghanistan sind auf diese Unterstützung angewiesen.

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2. Nicht alle Kinder in Afghanistan dürfen zur Schule gehen

"Das Bild ist nicht überall gleich", sagt Salam Al-Janabi, Sprecher von UNICEF Afghanistan, wenn man ihn zum Thema Bildung fragt. In vielen Provinzen gehen jüngere Jungen und Mädchen zur Schule. Doch insbesondere jugendliche Mädchen dürften meist nicht am Unterricht teilnehmen. 

Ende März entschieden die de-facto-Machthaber, dass Mädchen ab der siebten bis zur zwölften Klasse zunächst nicht zur Schule gehen dürfen. Zuvor hatten sie angekündigt, den Mädchen den Schulbesuch zu erlauben. Doch diese Ankündigung wurde nicht wahr und die Schülerinnen bitter enttäuscht. "Mit dieser Entscheidung wird einer ganzen Generation von heranwachsenden Mädchen das Recht auf Bildung verweigert und die Möglichkeit verwehrt, die Fähigkeiten zu entwickeln, die sie brauchen, um ihre Zukunft aufzubauen", sagt UNICEF Exekutivdirektorin Catherine Russell. Und weiter: "Ich fordere die de-facto-Machthaber auf, ihrem Bekenntnis zur Bildung von Mädchen ohne weitere Verzögerungen nachzukommen."

Afghanistan Kinder: Mädchen sitzen in einem Klassenzimmer

Diese Mädchen lernen in einem Klassenzimmer in Herat. Grundschülerinnen und Grundschüler sind landesweit in die Schule zurückgekehrt, ältere Schülerinnen nur in einigen Provinzen.

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Insgesamt gehen in Afghanistan vier Millionen Kinder nicht zur Schule, davon sind über die Hälfte Mädchen. Schon vor der Machtübernahme der Taliban bekamen insbesondere viele Mädchen keine gute Ausbildung. Dies hat Auswirkungen auf den gesamten weiteren Lebensweg der Mädchen und natürlich auch der Jungen. Deshalb setzen wir von UNICEF uns vehement dafür ein, dass alle Kinder zur Schule gehen und dass auch Lehrerinnen unterrichten dürfen. 

3. Eines von drei afghanischen Mädchen wird vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet

Rubaba (18) erzählt: "Ich mache mir Sorgen. Seit ich 15 bin, werben Männer um mich und wollen mich heiraten. Ich habe meine Familie angefleht, dass ich erst meine Ausbildung zu Ende machen darf. Doch ich habe Angst, dass ich doch früher heiraten muss." 

Ich wünschte, ich wäre mein Bruder, denn dann müsste ich nicht ständig zittern, wenn es an der Tür klopft. Ich habe Panik, dass dort jemand steht, der um meine Hand anhält. Wenn ich verheiratet werde, bevor ich die zwölfte Klasse geschafft habe, werden meine Hoffnungen für meine Zukunft sich in Luft auflösen.

Rubaba (18) hat Angst vor einer Zwangsheirat

Leider sind Rubabas Sorgen nicht unbegründet. Eines von drei Mädchen in Afghanistan wird verheiratet, bevor es 18 Jahre alt wird – obwohl Kinderheirat in Afghanistan illegal ist. Unsere Expert*innen fürchten, dass die Zahl der Kinderehen sogar steigen könnte. Die extrem angespannte wirtschaftliche Lage treibt Familien immer tiefer in die Armut und zwingt sie, verzweifelte Entscheidungen zu treffen – wie etwa ihre Töchter zu verheiraten. "Uns wurde berichtet, dass Familien schon für Töchter, die gerade einmal 20 Tage alt sind, eine zukünftige Ehe aushandeln, um eine Mitgift zu erhalten", sagte die damalige UNICEF Exekutivdirektorin Henrietta Fore in einem Statement im Winter 2021.

Kinderehe hat oft lebenslange Auswirkungen für die Mädchen. Ein Großteil der Betroffenen schließt die Schule nicht ab. Sie haben ein höheres Risiko, häusliche Gewalt, Diskriminierung und Missbrauch zu erleben, was häufig auch ihre mentale Gesundheit beeinträchtigt. Die aktuelle Krise und ihre Unsicherheiten in Bezug auf die Rechte der Frauen erhöhen die Risiken für geschlechtsspezifische Gewalt. Schon heute sind 46 Prozent der Frauen in Afghanistan davon betroffen. 

Wir von UNICEF nutzen unseren Einfluss auf allen Ebenen, um uns für Kinderrechte und somit auch für die Rechte von Mädchen einzusetzen und Zwangsverheiratungen zu verhindern. Dabei hilft uns, dass wir seit über 70 Jahren in Afghanistan aktiv sind und ein starkes Netz von Partnern und Kontakten haben. Wir unterstützen arme Familien auch finanziell, um die Kinder vor Kinderheirat, aber auch vor Hunger und Kinderarbeit zu schützen. 

4. Polio (Kinderlähmung) ist in Afghanistan eine reale Gefahr – noch

Wussten Sie, dass der Wildtyp des Polio-Erregers nur noch in zwei Ländern auf der Welt endemisch ist? Eines davon ist Afghanistan, das andere Pakistan. An Polio, auch Kinderlähmung genannt, zu erkranken, ist also eine Gefahr für Kinder in Afghanistan.

Doch wenn es gut läuft, nicht mehr lange.

Polio ist auch unter dem Namen Kinderlähmung bekannt. Die Krankheit wird durch ein Virus ausgelöst und ist hoch ansteckend. Es kann zu einer Lähmung der Arme, Beine und der Atmung und damit im schlimmsten Fall zum Tod kommen. Eine Impfung bietet einen guten Schutz. Allerdings haben 46 Prozent der afghanischen Kinder zwischen zwölf und 23 Monaten ihre Grundimpfungen noch nicht erhalten, zu denen auch Impfungen gegen Polio gehören würde. 

Afghanistan Kinder: Zwei Kinder zeigen nach der Polio-Impfung die Markierung an ihrem Finger

Guckt, wir sind geimpft: Der mit dunkler Farbe markierte kleine Finger zeigt, dass diese Kinder ihre Impfung gegen Polio bekommen haben. Das Foto stammt aus September 2020. Im November 2021 ist eine neue Impfkampagne gestartet.

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Gleichzeitig gibt es aktuell eine nahezu einmalige Chance, Polio in Afghanistan auszurotten. Denn in 2021 wurden nur vier Fälle gemeldet. Und am 8. November 2021 haben wir von UNICEF gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation eine Impfkampagne gestartet. Sie ist das Ergebnis von Verhandlungen der beiden Hilfsorganisationen mit den Taliban. Nun gehen mobile Teams von Tür zu Tür, um möglichst viele Kinder zu erreichen und zu schützen. Unter anderem impfen die Helfer*innen auch Mädchen und Jungen in Regionen, die für humanitäre Nothilfe seit einigen Jahren nicht zugänglich waren.

5. Trinkwasser aus dem Hahn holen? Für viele Kinder noch keine Option

Wenn ein Kind in Deutschland Durst hat oder sich die Hände waschen möchte, dreht es einfach den Hahn auf. Für Kinder in Afghanistan sieht die Situation anders aus.

Viele Mädchen und Jungen in Afghanistan nehmen morgens einen oder zwei Kanister mit und machen sich auf den Weg, Trinkwasser zu holen. Oft laufen sie mehrere Kilometer.

Afghanistan Kinder: Familien holen mit Kanistern Trinkwasser

Im Vertriebenenlager in Herat haben nur die wenigsten Unterkünfte einen Wasseranschluss. Diese Kinder holen mit Kanistern Trinkwasser für ihre Familien.

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33 Prozent der Afghan*innen haben zuhause keinen direkten Zugang zu Trinkwasser, so ein Bericht der Hilfsorganisationen UNICEF und Weltgesundheitsorganisation. Das betrifft vor allem Familien in entlegenen, schwer zugänglichen Dörfern sowie in Vertriebenenlagern. Dabei ist Trinkwasser – ebenso wie eine Toilette und die Möglichkeit, sich zu waschen – essentiell für die Gesundheit von Kindern.

Wir von UNICEF sind im Einsatz, damit Familien festinstallierte Zugänge zu Trinkwasser bekommen. Im Jahr 2020 haben wir das für 122.000 Menschen möglich gemacht. Diese Arbeit muss weitergehen!

Meine Kinder mussten die weite Strecke bis ins Nachbardorf laufen, um Wasser zu holen. Nun brauchen wir nur den Hahn aufdrehen, um uns ein Glas sauberes, sicheres Trinkwasser aufzufüllen. Ich danke UNICEF und seinen Partnern, die uns geholfen haben, das Wasser ins Haus zu bringen.

Abdul Qayoum, lebt mit seinen Kindern in der Region Kabul
Afghanistan Kinder: Ein Junge wäscht sich an einer von UNICEF installierten Wasserstation

Hier gibt es schon Trinkwasser aus dem Hahn: Am Regionalkrankenhaus in Herat haben wir von UNICEF eine Wasserstation aufgestellt.

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6. Afghanische Kinder erleben eiskalte Winter

Wussten Sie, dass es im Winter in Afghanistan bis zu -25 °C kalt wird? Vor allem im Norden sind die afghanischen Winter sehr kalt. Und die Kälte kann sich über viele Wochen halten.

Auch Anfang 2022 hatte der Winter das Land im Griff. Es fiel Schnee, und die Temperaturen lagen vor allem nachts weit unter dem Gefrierpunkt. Das ist insbesondere für Kinder auf der Flucht und in armen Familien eine große Gefahr.

Afghanistan Kinder: Ein Mädchen steht im Schnee
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Rahima ist vier Jahre alt und steht vor ihrem Haus in der Provinz Nuristan in Afghanistan. Mit ihrer Hand wärmt sie ihre kalte Nase.

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Afghanistan Kinder: Schnee in einem Dorf
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In diesem Dorf in Nuristan lebt Rahima. Die Provinz liegt an der Südseite des Hindukusch. Im Winter fallen die Temperaturen hier typischerweise für mehrere Wochen unter den Gefrierpunkt.

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Afghanistan Kinder: Kinder sitzen in einem Flüchtlingscamp um eine Feuerstelle
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Als dieses Foto im Januar 2022 in Herat aufgenommen wird, liegt dort kein Schnee. Dennoch ist es sehr kalt. Sediqa (8) und ihre Schwestern wärmen sich am Feuer der Kochstelle. Sie leben mit ihrer Familie in einem Zeltlager für Vertriebene. 

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Schon im Sommer ist es schlimm, wenn Kinder auf der Straße oder in Zelten übernachten müssen. Doch im Winter wird es dort zusätzlich eiskalt. Und auch wer ein Zuhause hat, ist oft nur wenig besser dran. Viele Familien sind infolge der politischen Instabilität und der dadurch verursachten Wirtschaftskrise mittlerweile so arm, dass sie kein Geld für eine Heizung oder für warme Kleidung haben. Viele Kinder werden krank. Auch die Gefahr, dass Kinder erfrieren, ist real.

Die Kinder brauchen dringend wärmende Kleidung und Schuhe, Decken – und vor allem eine feste, warme Unterkunft. Wir von UNICEF verteilen mit Unterstützung der Spenderinnen und Spender aus Deutschland Decken und Winterkleidung an die Familien. Wir geben auch Bargeld aus, damit die Menschen sich das Nötigste zum Überleben kaufen können.

Afghanistan Kinder: Eine Familie hat von UNICEF Decken für den Winter bekommen

Diese Familie hat von UNICEF mehrere Decken und einen Wassereimer bekommen. Nun tragen sie sie zurück zu ihrer Unterkunft. Die Familie ist vor Gefechten, der Dürre und der aussichtslosen wirtschaftlichen Lage geflohen und sucht nun Schutz in Herat.

© UNICEF/UN0574507/Bidel

7. Die meisten Kinder in Afghanistan haben niemals Frieden erlebt

Konflikt, Gewalt und Gefechte sind Teil des Lebens in Afghanistan – seit mehr als zwanzig Jahren. In einigen Regionen des Landes gab es ruhigere, friedlichere Perioden, in anderen nicht. 

In der ersten Hälfte des Jahres 2021 sind mehr als 550 Kinder bei Gefechten ums Leben gekommen. 1.400 wurden verletzt, zahlreiche Mädchen und Jungen traumatisiert. Habiba (11) erzählt, wie sie die Kämpfe erlebt hat: 

Afghanistan: Ein Mädchen hängt in einem UNICEF-Kinderzentrum etwas Gebasteltes auf

An einem Tag waren die Gefechte so heftig, dass mein Vater uns in den Keller geschickt hat. Dort haben wir uns versteckt. Ich habe mich am Kleid meiner Mutter festgehalten und zu ihr gesagt: 'Halt mir die Ohren zu!', damit ich die Explosionen nicht mehr hören konnte.

Habiba, 11 Jahre alt

Erlebnisse wie die von Habiba können Kinder traumatisieren. Dies kann ihre mentale und körperliche Gesundheit und ihr Wohlbefinden ihr Leben lang negativ beeinflussen. Habiba und ihre Familie flohen schließlich von zuhause und kamen in einem Vertriebenenlager unter. Dort gibt es auch ein von Kinderzentrum von UNICEF. Hier haben Habiba und die anderen Kinder einen Ort, um zu spielen und die Erlebnisse zu verarbeiten.

Afghanistan Kinder: Mädchen hüpfen unter blauem Himmel durch Reifen

Habiba und ihre Freundinnen spielen am liebsten draußen.

© UNICEF/UN0484305/UNICEF Afghanistan

Kindheit in Afghanistan: Murtaza zeigt Ihnen, wie er lebt

Nach all diesen Fakten möchten wir noch dieses Video mit Ihnen teilen: Der elfjährige Murtaza nimmt Sie mit in sein Dorf in einer abgelegenen Bergregion und zeigt Ihnen, wie er und seine Familie dort leben (Video in englischer Sprache). 

Wie kann man Kindern in Afghanistan helfen?

Wir von UNICEF sind seit über 70 Jahren in Afghanistan vor Ort – und bleiben trotz aller Unsicherheit an der Seite der Mädchen und Jungen. Sie brauchen uns in der aktuellen Lage mehr denn je. 

Vor allem angesichts der verbreiteten Armut und der sich verschärfenden Hungerkrise, aber auch mit Blick auf den Schutz der Kinderrechte müssen wir den Einsatz ausweiten. Nur so können wir das Überleben und die Zukunft der afghanischen Kinder sichern. Dafür brauchen wir Ihre Unterstützung. Helfen Sie den Kindern mit Ihrer Spende zum Beispiel für eines der Hilfsgüter, die aktuell besonders benötigt werden. Jeder Beitrag hilft. Vielen Dank!

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