10 DINGE, DIE SIE ÜBER IMPFUNGEN WISSEN SOLLTEN
Mittwoch, 22. April 2020, 00:00 Uhr
von Ninja Charbonneau | 9 Kommentare

AB DEM 24.04.2020 IST WELTIMPFWOCHE

Die Weltimpfwoche hat vor allem das Ziel, über die Wichtigkeit von Impfungen aufzuklären und Regierungen, Partner und Spender zur Unterstützung aufzurufen – jedes Jahr aufs Neue. Denn Krankheiten wie Masern, Kinderlähmung (Polio) oder Tetanus gehen uns alle an und lassen sich nur wirksam bekämpfen, wenn möglichst viele Menschen geimpft sind. In diesem Jahr steht die Weltimpfwoche unter dem Motto "#VaccinesWork for All".

Masern-Impfung in Eritrea

Jetzt ganz tapfer sein… Eine Mutter in Eritrea lässt ihr Kind gegen Masern impfen.
© UNICEF/NYHQ2014-3533/Pirozzi

In Deutschland und anderen Industrieländern entscheiden sich einige Eltern bewusst dagegen, ihre Kinder zu impfen – mit schwerwiegenden Folgen. In Deutschland wurden im vergangenen Jahr mehr als 500 Maserninfektionen registriert. Seit März diesen Jahres gilt eine Impfpflicht gegen Masern. Aber die Hauptlast der gefährlichen Krankheiten – und das sind Masern, Kinderlähmung und Co – tragen die Entwicklungs- und Schwellenländer.

In den betroffenen Ländern haben viele Eltern gar keine Wahl, weil sie es sich nicht leisten können, ihre Kinder impfen zu lassen, weil es keine Gesundheitsstation in erreichbarer Nähe gibt, weil Konflikte sie daran hindern oder weil ihnen das Wissen darüber fehlt, wie wichtig Impfungen sind.

Wegen der Covid-19-Pandemie mussten viele Länder ihre Impfkampagnen unterbrechen. Dies gefährdet die Kinder umso mehr. Anfang April warnten die Weltgesundheitsorganisation und UNICEF davor, dass lebensrettende Impfkampagnen gegen Masern für mehr als 117 Millionen Kinder vorerst gestoppt werden mussten.

>> Hier erfahren Sie mehr über unseren Nothilfe-Einsatz gegen das Coronavirus und können die Helfer unterstützen.

WARUM IMPFUNGEN SO WICHTIG SIND

1. Kinderkrankheiten sind nicht harmlos

Jährlich sterben schätzungsweise 1,5 Millionen Kinder unter fünf Jahren weltweit an Krankheiten, vor denen sie durch verfügbare Impfungen geschützt gewesen wären. Jedes vierte Kleinkind starb weltweit an Lungenentzündung, Masern oder Durchfallerkrankungen. Ein Großteil der Ansteckungen hätte durch Impfungen vermieden werden können. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Impfverweigerung inzwischen auf die Top-Ten-Liste der globalen Gesundheitsgefahren gesetzt.

2. Beispiel Masern

Noch vor einigen Jahrzehnten haben große Masern-Epidemien jährlich geschätzte 2,6 Millionen Menschen getötet. Weltweit haben Impfungen gegen Masern zwischen 2000 und 2018 23,2 Millionen Kindern das Leben gerettet. Aber: 2018 starben immer noch rund 140.000 Menschen an den Folgen von Masern. Aktuell gibt es sogar wieder eine Zunahme von Masern-Ausbrüchen – wegen fehlendem Impfschutz. So erreichte die Zahl der gemeldeten Masern-Fälle im Jahr 2019 einen neuen Höchststand in den USA. Albanien, Tschechien, Griechenland und Großbritannien verloren im vergangenen Jahr ihren Status als masernfrei. 

Masern: Akram aus Afghanistan war nicht geimpft

Der vierjährige Akram aus Afghanistan hat Masern. Seinen Eltern war nicht bewusst, wie wichtig es ist, ihren Sohn zu impfen.
© UNICEF/PFPG2013P-0357/Madhok

3. Babys und Kinder ohne Impfschutz

Weltweit ist die Zahl der geimpften Kinder zwar gestiegen, aber 2019 erhielten 13,5 Millionen Kinder keinen Impfschutz. Betroffen sind vor allem die Kinder aus den ärmsten Familien in Entwicklungs- und Schwellenländern, obwohl sie den Schutz am dringendsten brauchen. Denn Mädchen und Jungen aus armen Familien sind häufig bereits durch Mangelernährung geschwächt. Viele Kinder können zudem wegen Unsicherheit, Konflikten sowie dem Zusammenbruch von öffentlichen Gesundheitsdiensten in abgelegenen oder schwer zugänglichen Gebieten nicht geimpft werden.

4. Konflikte fördern Krankheiten

Zwei von fünf der nicht geimpften Kinder leben in einem Konfliktland oder fragilen Staat ohne funktionierendes Gesundheitssystem. Wie wichtig Impfungen sind, sieht man auch daran, was ohne sie passiert. So ist zum Beispiel Kinderlähmung (Polio) in Syrien 2013 erstmals wieder aufgetreten, weil im Bürgerkrieg vielerorts das Gesundheitssystem zusammengebrochen ist und Routineimpfungen nicht mehr überall stattfanden.

Impfungen: Polioimpfung für die 4-jährige Rimas

Die Markierung am kleinen Finger der vierjährigen Rimas bedeutet, dass sie ihre Polio-Impfung bekommen hat. Rimas stammt aus Syrien und war mit ihrer Familie ins jordanische Irbid geflohen.
© UNICEF DT/ Charbonneau

Im Jemen sind 2017 über eine Million Menschen an Cholera oder wässrigem Durchfall erkrankt, 58 Prozent der Fälle betrafen Kinder. Unter Flüchtlingen der Rohingya-Minderheit ist 2017 eine Diphterie-Epidemie ausgebrochen, die sich im Flüchtlingslager schnell ausbreiten konnte. Durch breit angelegte Impfkampagnen ist es gelungen, die Epidemien einzudämmen. 

Bangladesch: Ein Kind bekommt in Cox's Bazar eine Impfung

Ein Junge in einem Flüchtlingslager für geflüchtete Rohingya in Bangladesch erhält eine Diphterie-Impfung.
© UNICEF/UN0155464/Sujan

Doch das Risiko weiterer Ausbrüche bleibt bestehen: Allein im Osten der Demokratischen Republik Kongo sind seit Anfang letzten Jahres mehr als 5.300 Kinder an Masern gestorben. Deshalb führt UNICEF im April 2020 im Kongo eine Impfkampagne gegen Masern durch – wegen des Coronavirus unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen. 150.000 Kinder zwischen sechs Monaten und fünf Jahren sollen geimpft werden.

5. Impfen unter Einsatz ihres Lebens

Für das Überleben und gesunde Aufwachsen von Kindern ist den UNICEF-Mitarbeitern und Tausenden freiwilligen Helfern kein Weg zu weit. Sie fahren von Ort zu Ort, gehen von Tür zu Tür, informieren Eltern und impfen jedes einzelne Kind. Viele Helfer riskieren sogar ihr Leben, damit auch in Konfliktregionen Mädchen und Jungen Impfschutz erhalten – zum Beispiel in Afghanistan, Irak, Jemen, Südsudan oder Syrien. Allein 2017 hat UNICEF die Impfung von fast 20 Millionen Kindern unterstützt, die in von Konflikten oder Naturkatastrophen betroffenen Regionen leben.

Syrien: Die drei-jährige Nada erhält eine Impfung in den Straßen von Aleppo

Eine Gesundheitshelferin in einem stark zerstörten Viertel von Ost-Aleppo in Syrien gibt der dreijährigen Nada eine Schluckimpfung zum Schutz vor Kinderlähmung (Polio).
© UNICEF/UN060902/Al-Issa

6. Logistische Herkulesaufgabe

UNICEF plant und organisiert riesige Impf-Aktionen von der Bestellung der Impfstoffe über den lückenlosen gekühlten Transport, Schulungen von Helfern bis hin zu Informations- und Aktivierungskampagnen – damit am Ende zum Beispiel über 100 Millionen Kinder in einem riesigen Land wie Indien innerhalb weniger Tage geimpft werden können. Nach dem Wirbelsturm "Idai" und den Überschwemmungen haben UNICEF und WHO mit einer groß angelegten Impfkampagne 900.000 Menschen in Mosambik gegen Cholera geimpft.

7. Größter Impfstoff-Lieferant der Welt

UNICEF hat allein im Jahr 2019 rund 2,4 Milliarden Impfdosen für rund 100 Länder bereitgestellt und damit 45 Prozent aller Kinder weltweit mit Impfstoffen versorgt. Da wir ein großer Abnehmer sind, können wir die Kosten senken, zum Beispiel auf weniger als umgerechnet 70 Cent pro Dosis Fünffach-Impfstoff.

Zwischen 2000 und 2017 haben wir zusammen mit Regierungen und Partnern insgesamt über zwei Milliarden Kinder geimpft. Jedes Jahr erreichen wir die Hälfte aller Kinder weltweit mit lebensrettenden Impfungen. Und warum tun wir das alles?

8. Impfungen retten Leben

Kurz gesagt: Impfungen retten Leben! Wir haben das Ziel fest vor Augen, dass kein Kind mehr an vermeidbaren Krankheiten sterben soll. Jedes Kind hat ein Recht auf Überleben und gesunde Entwicklung. Impfungen sind ein wichtiger Baustein, um dieses Ziel zu erreichen. Nach Schätzungen von UNICEF und WHO werden durch Impfungen jährlich bis zu drei Millionen Kinder gerettet.

Im Video erklärt Barbara Schöneberger, wie und warum wir zum Beispiel in Madagaskar Mütter und Neugeborene gegen Tetanus impfen.

9. Erfolgsstorys

Durch Impfungen sind die Masern-Todesfälle drastisch gesunken, Polio-Fälle gab es 2019 nur noch in zwei Ländern, und Neugeborenen-Tetanus ist in den meisten Ländern der Welt eliminiert. Die Pocken gelten als ausgerottet. Neue Hoffnung gibt zum Beispiel ein seit einigen Jahren eingesetzter Cholera-Impfstoff.

Laos: Kinder stehen an, um von den Helfern geimpft zu werden.

Als Reaktion auf den Ausbruch von Polio in 2015 und 2016 wurden im März 2018 etwa 460.000 Kinder in Laos gegen die Krankheit geimpft.
© UNICEF/UN0198144/Nazer

Tetanus bei Müttern und Neugeborenen, das in den meisten Fällen tödlich verläuft, wurde in fast allen Ländern der Welt eliminiert – übrigens auch dank der kontinuierlichen Unterstützung durch unsere Partner P&G (Pampers) und Kiwanis. Auch in den verbleibenden 12 Ländern wollen wir Neugeborenen-Tetanus endgültig beseitigen. 

10. Impfungen wirken

Sie gehören nachweislich zu den wirksamsten und effektivsten Maßnahmen, um das Überleben und gesunde Aufwachsen von Kindern zu sichern und haben dazu beigetragen, dass die Kindersterblichkeit seit 1990 halbiert wurde. Impfungen sind kostengünstig und in jedem Fall viel preiswerter, als Krankheiten zu behandeln und Epidemien zu bekämpfen, wenn sie erst einmal ausgebrochen sind.

Vielleicht tut eine Spritze einen kurzen Moment lang ein klein bisschen weh – aber dafür schützt sie zuverlässig vor Krankheiten, die lebenslange Folgen haben oder sogar tödlich verlaufen können.

Bangladesch: Ein Kind wird von einem UNICEF-Mitarbeiter geimpft

Aua! Dieser Junge in Bangladesch verzieht sein Gesicht, aber der kurze Pieks rettet ihm womöglich das Leben.
© UNICEF/UN0155470/Sujan

IMPFUNGEN SCHENKEN UND LEBEN RETTEN

Die diesjährige Weltimpfwoche steht unter dem Motto #VaccinesWork for All“ ("Impfungen wirken – für alle"). Wollen Sie mithelfen, damit jedes Kind weltweit Zugang zu Impfungen haben kann?

In unserem Spendenshop können Sie zum Beispiel Impfstoffe gegen Masern, Polio oder Tetanus spenden – wir kümmern uns dann darum, dass Impfungen dort durchgeführt werden, wo sie gerade am dringendsten gebraucht werden.

* Wir haben diesen Blog-Beitrag zur Weltimpfwoche 2020 für Sie aktualisiert.

KOMMENTARE

  • 08. Juni 2020 21:03 Uhr

    Wenn es kaum Nebenwirkungen gibt, warum muss dann der Impfstoffhersteller keine Haftung für Impfschäden übernehmen? Stattdessen haftet der Staat, sprich wir, die Steuerzahler, für die Schäden.
    Und dann sollte auch die Impfmethoden kritsch betrachtet werden. Impfung ist nicht gleich Impfung.

  • 03. Juni 2020 18:36 Uhr

    Wenn ein Impfstoff bereits Jahrzente lan getestet ist ist es ok.
    wenn man jetzt aber die tests verkürzen will und auf kosten der Bevölkerung ein Impfstoff auf den Markt schmeißt um der erste zu sein sehe ich das probematisch.

    Haben Kinder kein Recht auf unversehrtheit, ist die Würde der kinder antastbar mit der Impfpflicht? Eine Impfpflicht kriminalisiert, was ist das für ein Agoment: .."denn werden die kinder den Eltern weggenommen und geimpft."..das hat so eine Note wie damals die Konzentrazionslager.. koste es was es wolle das kind wird geimpft.. Pech wenn es Nebenwirkungen hat?

  • 29. Mai 2020 09:46 Uhr

    Liebe Sonja,

    für weitere Informationen empfehlen wir die Webseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Die BZgA bietet verschiedene Beratungsdienste an und informiert über Impfungen und den persönlichen Impfschutz. Mit Sicherheit finden Sie hier Antworten auf Ihre Fragen.

    Viele Grüße

    Tabea Mildenberger
    UNICEF-Infoservice

  • 21. Mai 2020 18:35 Uhr

    Hallo zusammen,

    gibt es Informationsmaterial über die Gefährlichkeit von Impfungen? Sind seit 2010 Menschen an Impfungen gestorben oder hatten bleibende Schäden?
    Mein Partner ist dagegen, dass wir unseren 8 Wochen alten Jungen impfen. Er denkt, dass man damit zu früh ins Immunsystem eingreift. Er sieht kein Risiko in Tetanus, Keuchhusten etc und weißt darauf hin, dass Polio fast ausgestorben ist und er würde Diphteria nur bekommen, würde er nach Indien reisen. Reicht es aus, eine Tetanusimpfung zu bekommen, wenn man eine Wunde hat oder muss man vorher schon Antikörper bilden? Hilft Muttermilch der Immunität gegen Tetanus? Ich bezweifle das sehr, muss aber meinem Partner gute Argumente liefern (traurig, aber wahr).

    Vielen Dank

  • 17. August 2019 02:07 Uhr

    Hallo,
    als Kinderkrankenschwester habe ich in 19 Jahren noch kein Kind mit einem Impfschaden erlebt. Aber dafür Kinder mit SSPE, einer tödlichen Masernspätfolge, die die Kinder Jahre nach der Maserninfektion langsam tötet,
    Kinder mit Hodeninfektion, häufig mit anschließender späterer Unfruchtbarkeit, nach Mumpsinfektionen, Hirnhautentzündungen und Hirnentzündungen mit anschließender Behinderung nach etlichen anderen Kinderkrankheiten.

    Diese Panikmache vor Impfungen in gewissen Kreisen gleicht einer Verschwörungstheorie und kostet Kinderleben.

    Ich bin definitiv für eine Einführung der Impfpflicht und unterstütze Unicef gerne mit dem Kauf von Impfstoffen.

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