© UNICEF/UNI458903/VignéKindersoldaten: Ehemaliger Kindersoldat (16) im Kongo
Kinder weltweit

Kindersoldaten und Kindersoldatinnen in Afrika und weltweit: Kindheit zwischen Waffen

Kinder leiden am meisten unter Kriegen und Konflikten. Besonders grausam ist es, wenn Erwachsene sie in ihre Kriege verwickeln und dazu bringen, als Kindersoldat oder Kindersoldatin zu kämpfen und zu töten. 

Definition: Was genau sind Kindersoldaten und Kindersoldatinnen?

Für Kindheit statt Krieg

Jedes Kind hat das Recht auf eine unbeschwerte Kindheit, fernab von Krieg und Gewalt. UNICEF setzt sich dafür ein, dass kein Kind gezwungen wird, als Soldat*in zu kämpfen. Unterstützen Sie diesen Einsatz mit Ihrer Spende!

An vielen Orten der Welt werden Kinder in langanhaltenden Konflikten von bewaffneten Gruppen für ihre Zwecke missbraucht. Kindersoldat*innen sind Mädchen und Jungen unter 18 Jahren, die von Armeen oder bewaffneten Gruppen rekrutiert oder eingesetzt werden. Bei dem Begriff "Kindersoldat" oder "Kindersoldatin" denkt man vielleicht ausschließlich an Kinder, die zum Kämpfen und Schießen gezwungen werden.

Es gibt jedoch auch zahlreiche Minderjährige, die von Milizen oder bewaffneten Gruppen für Botengänge, als Wachleute, zum Kochen oder sonstige Hilfsarbeiten eingesetzt werden, als menschliche Schutzschilde missbraucht, zu sexuellen Diensten gezwungen oder mit Kämpfern zwangsverheiratet werden – all das sind schwerste Kinderrechtsverletzungen, die die betroffenen Mädchen und Jungen ihrer Kindheit berauben und sie traumatischen Erlebnissen aussetzen.

Kindersoldaten: Ein Jugendlicher vor einem Gebäude.

Charles (16, Name geändert) aus der Demokratischen Republik Kongo wurde 2024 von einer bewaffneten Gruppe entführt. "Als ich in mein Dorf zurückkam, hatten meine Freund*innen Angst vor mir. Sie dachten, ich sei gewalttätig geworden – und ganz falsch war das nicht. Aber dank der Unterstützung bin ich ruhig und respektvoll geworden, ich spiele wieder mit meinen Freund*innen und gehe zur Schule.“ Charles bekommt psychosoziale Unterstützung, um das Erlebte zu verarbeiten. Mittlerweile geht es ihm besser. „Ich bin gerne mit meinen Freunden zusammen. Ihre Gegenwart hilft mir, mich wie ein Kind zu fühlen – frei und glücklich.“

© UNICEF/UNI936477/Mirindi Johnson
Info
"Kindersoldat*in"

Wir von UNICEF benutzen statt "Kindersoldat*in" oft die längere, aber korrektere Bezeichnung "Kinder, die von Armeen oder bewaffneten Gruppen rekrutiert und eingesetzt werden", um zu zeigen, dass es uns nicht nur um kämpfende, sondern um alle Mädchen und Jungen geht, deren Kindheit zwischen Waffen ein abruptes Ende hatte. Wenn im weiteren Text vereinfachend der Begriff „Kindersoldat*innen“ verwendet wird, sind alle diese Kinder und Jugendlichen wie in der oben genannten weiteren Definition gemeint.

Jeder Einsatz von Kindern durch Armeen und bewaffnete Gruppen ist eine schwere Verletzung von Kinderrechten, bei Kindern unter 15 Jahren gilt er sogar als Kriegsverbrechen. Der Einsatz von Kindern bei bewaffneten Gruppen zählt außerdem zu den schwersten Formen der Kinderarbeit.

Am 12. Februar ist Welttag gegen den Einsatz von Kindersoldaten und Kindersoldatinnen – eine jährliche Erinnerung, dass noch viel passieren muss, um diese schwere Verletzung der Kinderrechte endlich zu beenden.

UNICEF setzt sich weltweit dafür ein, die Rekrutierung von Minderjährigen zu beenden, Kindersoldaten und Kindersoldatinnen freizulassen und ehemaligen Kindersoldat*innen dabei zu helfen, ein neues, ziviles Leben anzufangen. Besonders wichtig ist außerdem die Prävention, also Kinder zu schützen, damit sie gar nicht erst rekrutiert oder zum Mitmachen in einer Miliz gezwungen werden.

In der Demokratischen Republik Kongo und anderen Ländern wie der Zentralafrikanischen Republik oder Südsudan gelingt es dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen und Partnern immer wieder, Kindersoldat*innen zu befreien und sie bei der Wiedereingliederung zu unterstützen. Aber Zehntausende Kinder werden immer noch im Bürgerkrieg oder Konflikten als Kindersoldaten und Kindersoldatinnen missbraucht. Sie sind Zeugen von Gewalt und begehen häufig selbst Gewalttaten. Vor allem aber sind sie selbst Opfer und brauchen besonderen Schutz. Sie sind Kinder ohne Kindheit, und der Weg zurück in ein normales Leben ist schwer.

  • 105.000 Fälle
    zwischen 2005 und 2022

    von Kindern, die unter anderem zum Kämpfen missbraucht wurden.

  • 16.000
    und mehr Minderjährige wurden

    auch mit Hilfe von UNICEF und Partnern befreit und in Schutzprogramme aufgenommen. 

  • 20
    Länder sind es mindestens

    in denen Kinder als Kindersoldat*innen ausgebeutet werden. 

Kindersoldaten und Kindersoldatinnen erzählen UNICEF ihre Geschichte

Viele Kinder haben als Kämpfer oder Kämpferinnen jahrelang das Töten gelernt, wurden ausgebeutet und missbraucht. Meist sind sie nie zur Schule gegangen. Viele bewaffnete Gruppen setzen die Kinder ein, weil sie leichter zu manipulieren oder schlicht billiger sind als Erwachsene. Die Gründe, weshalb sich Minderjährige bewaffneten Gruppen anschließen, sind vielfältig: Teilweise werden Kinder entführt und zwangsrekrutiert, also mit Gewalt dazu gezwungen. In anderen Fällen nutzen Milizen die Armut und Not der Kinder aus.

Befreite Kindersoldaten wie Emmanuel, Susan und Tito aus dem Südsudan haben den UNICEF-Teams vor Ort ihre Geschichten erzählt. Über ihre Erlebnisse zu sprechen, hilft ihnen, sie zu verarbeiten. Aus Kinderschutzgründen sind alle Namen in diesem Text geändert und die Kinder so fotografiert, dass man ihre Gesichter nicht erkennen kann.

Kindersoldaten: Emmanuel* arbeitet heute als Handwerker.

Nach seiner Ausbildung zum Tischler gründete Emmanuel, der im Südsudan lebt, eine Werkstatt, in der er Stühle, Tische und Betten aus Holz herstellt, um seine Familie zu unterstützen.

 

© UNICEF/CMMB

Obwohl der verheerende Bürgerkrieg im Südsudan seit 2018 als beendet gilt, kommt es auch noch zu bewaffneten Konflikten, Spannungen und Gewalt. Kinder wurden während des Krieges als Soldat*innen zum Kämpfen rekrutiert – und werden auch Jahre nach dem Krieg als solche ausgebeutet.

Sie waren auf dem Weg in die Schule, als Emmanuel, Susan und Tito 2016 entführt und gezwungen wurden, an der Front eines brutalen Krieges zu kämpfen. Als ehemalige Kindersoldat*innen haben sie mehr Tod und Leid gesehen als ein Mensch je erleben sollte.

Emmanuel: “Ich habe mich immer schlecht gefühlt, wenn wir angegriffen wurden, weil ich gesehen habe, wie Menschen einfach getötet wurden, als wären sie keine Menschen. Frauen und Mädchen wurden direkt vor meinen Augen getötet und vergewaltigt, ich konnte nur hilflos zusehen. Vor allem habe ich mein Zuhause und meine Freunde in der Schule vermisst.”

Nach ihrer Entführung mussten sie drei Tage zu Fuß gehen, um das Lager der Rebellen zu erreichen. Kaum angekommen, wurden sie geschlagen und gewarnt, dass sie nicht fliehen sollten. “Das Leben war schrecklich, aber wir konnten nichts machen – bis zu dem Tag, als wir befreit wurden”, erzählt Tito.

Anfang 2022 gelang es UNICEF, gemeinsam mit Partnerorganisationen 18 Kinder (17 Jungs und ein Mädchen) aus einer bewaffneten Gruppe in Maridi, einem Bundesstaat im Südsudan, zu befreien. In einem von UNICEF unterstützten Zentrum wurden die Jugendlichen betreut.

Die entsetzlichen Erfahrungen haben Emmanuel, Tito, Susan und die anderen Jugendlichen schwer traumatisiert. Sie erfuhren schlimmste Gewalt, sie wurden ausgebildet und gezwungen zu schießen, zu plündern, Häuser in Brand zu setzen und weitere furchtbare Gräueltaten gegen die Zivilbevölkerung zu begehen.

Kindersoldaten: Ein Mädchen im Südsudan nach ihrer Befreiung.

Die ehemalige Kindersoldatin Susan aus dem Südsudan hat nach ihrer Befreiung eine Lehre als Schneiderin abgeschlossen. Sie näht Kleidung, um Lebensmittel zu kaufen und die Schulgebühren ihrer Geschwister zu bezahlen. 

© UNICEF/CMMB

Mädchen werden von ihren Entführern zu sexuellen Diensten gezwungen und vergewaltigt – auch Susan erging es so. Sie wurde als “Ehefrau” missbraucht, musste andere bestehlen und wurde zur Spionage gezwungen. “Ich war nicht glücklich. Ich wurde jede Nacht aus “Ehefrau” ausgenutzt, manchmal schickten sie mich zum Stehlen”, sagt sie. “Die Freilassung hat mich davor gerettet, jede Nacht die Last tragen zu müssen, als Ehefrau mehr als einem Mann zu dienen.“

Gemeinsam mit anderen Jugendlichen und jungen Erwachsenen absolvierten die drei mit Unterstützung von UNICEF und Partnerorganisationen eine Ausbildung, um ihr Leben selbstbestimmt gestalten zu können. Susan hat eine Lehre als Schneiderin abgeschlossen. Sie erzählt, dass sie mit ihrem verdienten Geld Essen kaufen und die Schulgebühren ihrer Geschwister bezahlen kann.

© UNICEF/CMMB

Die Freilassung war das Beste, was mir in meinem ganzen Leben passiert ist. Ich musste kein Blut mehr sehen, und ich war erleichtert.

Tito

Emmanuel und Tito sind Tischler geworden. Tito arbeitet in seiner eigenen Tischlerei, Emmanuel setzt sich dafür ein, sein Wissen an andere interessierte Jungen weiterzugeben. Er möchte in Zukunft eine eigene Werkstatt eröffnen.

Die verlorene Kindheit können Kinder wie Susan, Tito und Emmanuel zwar nicht nachholen, aber sie bekommen jetzt eine zweite Chance, erhalten Beratung und psychosoziale Hilfe. UNICEF hilft auch dabei, ehemalige Kindersoldat*innen wieder mit ihren Familien zu vereinen oder Pflegefamilien zu finden und ihnen die Möglichkeit für eine Ausbildung zu geben.

Wie viele Kindersoldaten und Kindersoldatinnen gibt es?

Kindersoldaten und Kindersoldatinnen weltweit

Kindersoldat*innen gibt es in vielen Ländern – obwohl die Zwangsrekrutierung und die Beteiligung von Minderjährigen an Kampfhandlungen in den meisten Ländern verboten ist. Niemand weiß, wie viele Kindersoldaten und Kindersoldatinnen es gibt, weil die Rekrutierung meist im Verborgenen und in schwer zugänglichen Kampfgebieten erfolgt.

UNICEF geht davon aus, dass weltweit Zehntausende Kinder von bewaffneten Gruppen für ihre Zwecke missbraucht werden – hauptsächlich in einigen Ländern in Afrika, in Asien und im Nahen Osten.

Seit der Einführung des sogenannten "Monitoring and Reporting Mechanism", einer geregelten Untersuchung und Dokumentation von schweren Kinderrechtsverletzungen in Konflikten, haben die Vereinten Nationen zwischen 2005 und 2022 rund 105.000 Fälle von Kindern verifiziert, die von bewaffneten Gruppen zum Kämpfen oder für unterstützende Rollen missbraucht wurden. Die Dunkelziffer ist aber wahrscheinlich sehr viel höher, weil es im Krieg häufig nicht möglich ist, an gesicherte Informationen zu kommen.

Jedes Jahr veröffentlicht der Generalsekretär der Vereinten Nationen einen Bericht über schwerste Menschenrechtsverletzungen gegen Kinder – dazu gehören die Rekrutierung von Kindersoldatinnen und -soldaten. Im aktuellen jährlichen UN-Bericht (bezogen auf 2024) sind 7.402 Fälle von Rekrutierungen oder Einsatz von Kindersoldat*innen dokumentiert. Ein Großteil der Kindersoldat*innen waren Jungen. Diese Zahlen spiegeln wie gesagt nur die Fälle wider, die verifiziert werden konnten, und zeigen damit nur einen kleinen Teil der harten Realität für Kinder in Konflikten. Da der Bericht sich immer auf das Vorjahr bezieht, beschreibt er nicht die aktuelle Situation, also zum Beispiel nur zeitverzögert die extreme Gewalt im Sudan oder die jüngste Eskalation in der Demokratischen Republik Kongo. Dafür lenkt er die Aufmerksamkeit auch auf vergessene Krisen, in denen schwere Kinderrechtsverletzungen verübt werden, unter anderem in Afghanistan, Jemen, Myanmar oder Somalia. In Haiti hat sich die Lage zuletzt zugespitzt: Die bewaffneten Gruppen sollen sich Berichten zufolge zur Hälfte aus Minderjährigen zusammensetzen. In Syrien gibt es dafür nach dem Sturz des Assad-Regimes zarte Hoffnung und Stabilisierung.

Wo gibt es heute Kindersoldaten und Kindersoldatinnen?

Die meisten Kindersoldat*innen wurden laut dem UN-Report in 2024 nachweislich in der Demokratischen Republik Kongo, Nigeria und Somalia eingesetzt. Auch in Äthiopien, Afghanistan, Burkina Faso, Haiti, Irak, Jemen, Kolumbien, Libanon, Mali, Mosambik, Myanmar, Niger, Philippinen, Sudan, Südsudan, Syrien oder in der Zentralafrikanischen Republik wurden Minderjährige rekrutiert.

In Israel und Gaza sowie in der Ukraine gibt es zwar keine dokumentierten Fälle von Kindersoldatinnen und -soldaten, aber sie stehen im jährlichen Bericht des UN-Generalsekretärs wegen einer erschütternden Liste von anderen schweren Kinderrechtsverletzungen: Tötung und Verstümmelung, Entführung von Kindern, Angriffe auf Schulen und Krankenhäuser.

Aber es gibt auch Lichtblicke: So konnten laut dem aktuellen UN-Jahresbericht im Jahr 2024 durch Vermittlung der Vereinten Nationen über 16.000 Minderjährige aus bewaffneten Gruppen befreit und in Schutzprogramme aufgenommen werden. Seit 1999 kamen insgesamt 220.000 Kindersoldatinnen und Kindersoldaten frei.

Kindersoldat*innen in der Demokratischen Republik Kongo

In der Demokratischen Republik Kongo gibt es wahrscheinlich die meisten Kindersoldatinnen und Kindersoldaten – und zahlreiche andere schwerste Kinderrechtsverletzungen. Vor allem im Nordosten des Landes, in den Provinzen Nord Kivu und Ituri, hat die Gewalt in den letzten Monaten erschütternde Ausmaße angenommen.

Laut UN-Bericht wurden allein 2024 2.365 Fälle von Minderjährigen (1.651 Jungen und 714 Mädchen) verifiziert, die neu rekrutiert und eingesetzt wurden. Viele von ihnen (461) wurden entführt und zum Einsatz gezwungen. Sie werden zum Kämpfen, Wachen, Tragen und andere unterstützende Tätigkeiten eingesetzt. Wie viele Kindersoldaten und Kindersoldatinnen es insgesamt aktuell in der Demokratischen Republik Kongo gibt, weiß man nicht.

Kindersoldat*innen in Somalia

Somalia gehört zu den Ländern weltweit, in denen besonders viele Kinder als Kindersoldat*innen zwangsrekrutiert werden. Häufig werden sie entführt und dann gezwungen, sich bewaffneten Gruppen anzuschließen. Im Jahr 2024 führten rund die Hälfte der Entführungen in Somalia zu einer Rekrutierung der Kinder für den Krieg. Für die meisten Entführungen und Rekrutierungen in Somalia ist Al-Shabaab verantwortlich.

Kindersoldaten Somalia: UNICEF unterstützt Kinder bei der Berufsausbildung.

Die Chance auf eine sichere Zukunft: UNICEF hilft gemeinsam mit Partnerorganisationen in Somalia dabei, dass ehemalige Kindersoldat*innen Berufe lernen und auch psychosoziale Unterstützung erhalten. Die beiden Jugendlichen lernen zum Beispiel, wie man ein Auto repariert. Nach ihren Ausbildungen gelingt es vielen Absolvent*innen, ihre Familie und sich mit dem erarbeiteten Geld zu versorgen. 

© UNICEF/UNI416955/Sewunet

An dem Land lässt sich gut erkennen, wie mehrere Krisen zusammenhängen können. Somalia leidet seit Jahren unter wiederkehrenden schweren Dürren und Lebensmittelknappheit. Zahlreiche Familien verarmen und nehmen ihre Kinder aus der Schule, damit diese zum Lebensunterhalt der Familie beitragen. Dies erhöht auch das Risiko, dass Mädchen früh verheiratet werden oder Kinder und Jugendliche sich bewaffneten Gruppen anschließen, die die Not der Familien ausnutzen.

Wir von UNICEF helfen den Kindern in Somalia, zum Beispiel, indem wir ehemalige Kindersoldaten und Kindersoldatinnen wieder mit ihren Familien und Gemeinden vereinen. Auch danach begleiten wir sie weiter mit psychosozialer Hilfe und Bildungsmöglichkeiten, damit sie verpasste Schulstunden nachholen können. Zudem engagieren wir uns auf allen Ebenen gegen den Einsatz von Kindersoldat*innen.

Kindersoldat*innen in Myanmar

Im südostasiatischen Myanmar (früher: Burma) herrscht, von der deutschen Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, ein Konflikt mit gravierenden Folgen für Kinder. Mit 1.171 verifizierten Fällen kämpfen dort besonders viele Kindersoldaten nur in der Demokratischen Republik Kongo wurden 2023 mehr Fälle gemeldet. Da das Land stark abgeschottet ist, sind viele Menschen- und Kinderrechtsverletzungen schwer zu dokumentieren und zu überprüfen. Für 2024 haben die Vereinten Nationen 482 Fälle verifiziert, in denen Kinder und Jugendliche als Kindersoldaten eingesetzt wurden, ein Großteil davon (400) durch die Armee.

Kindersoldat*innen in Syrien und Jemen

Wie oben beschrieben werden Minderjährige nicht nur in Afrika, sondern auch in vielen anderen Ländern rekrutiert und eingesetzt, zum Beispiel in Konfliktländern im Nahen Osten wie Syrien und Jemen sowie im Libanon.

In Syrien lag 2024 die Zahl der verifizierten Fälle, in denen Minderjährige eingesetzt wurden, bei 527. Im Jemen wurden mindestens 182 Jungen rekrutiert, im Libanon 76.

In ihren eigenen Worten: Zitate von Kindersoldat*innen

Die Ursachen und Gründe, weshalb Minderjährige zu Kindersoldaten und Kindersoldatinnen werden, sind vielfältig, genauso wie ihre Tätigkeiten und Erlebnisse bei den bewaffneten Gruppen. In der Bilderstrecke erzählen ehemalige Kindersoldat*innen ihre jeweiligen Geschichten in ihren eigenen Worten.

Welttag gegen den Einsatz von Kindersoldaten und Kindersoldatinnen

Am 12. Februar 2002, trat das "Zusatzprotokoll zur UN-Kinderrechtskonvention zum Verbot der Beteiligung von Kindern in bewaffneten Konflikten" in Kraft. Deshalb wird jährlich am 12. Februar der Welttag gegen die Rekrutierung und den Einsatz von Kindersoldatinnen und Kindersoldaten begangen. Bis heute haben 172 Staaten das Zusatzprotokoll ratifiziert; Deutschland im Dezember 2004.

Kindersoldaten in Afrika: Ehemalige Kindersoldaten im Südsudan mit ziviler Kleidung
© UNICEF/UN0275981/Rich/Photographer

Das Abkommen hat weltweit Diskussionen angestoßen und Gesetzesänderungen bewirkt. Laut Zusatzprotokoll dürfen Mädchen und Jungen unter 18 Jahren nicht gegen ihren Willen eingezogen werden oder an Kampfhandlungen teilnehmen.

Internationale Vereinbarungen: Kriegsverbrecher werden für Einsatz von Kindersoldat*innen bestraft

Im gleichen Jahr (2002) trat das Rom-Statut des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag in Kraft. Darin ist unter anderem festgelegt, dass der Einsatz von Kindern unter 15 Jahren als Kriegsverbrechen gilt und verfolgt wird.

In der Folge wurde 2012 erstmals der kongolesische Milizenchef Thomas Lubunga vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag wegen der Rekrutierung von Kindersoldat*innen zu 14 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt – ein wichtiges weltweites Signal. Auch Charles Taylor, der ehemalige Präsident von Liberia, wurde 2012 zu 50 Jahren Gefängnis verurteilt. Ihm wurde eine Reihe von Kriegsverbrechen zur Last gelegt, darunter die Rekrutierung und der Einsatz von Kindersoldat*innen.

2021 verurteilte der Internationale Strafgerichtshof Dominic Ongwen, einen ehemaligen Kommandanten der "Lord’s Resistance Army" (LRA) in Uganda, zu 25 Jahren Haft. Der berüchtigte Kriegsverbrecher Joseph Kony hingegen, Führungsfigur der LRA, nach dem seit 2005 gefahndet wird, wurde bisher nicht gefasst.

Kindersoldaten: UNICEF-Helferin im Kongo

Bénite Nikuze von UNICEF kümmert sich in einem Kinderschutz-Zentrum in der kongolesischen Provinz Nord-Kivu um unbegleitete oder von ihren Eltern getrennte Kinder sowie um ehemalige Kindersoldat*innen.

© UNICEF/UNI481217/Vigné

UNICEF-Hilfe für ehemalige Kindersoldatinnen und Kindersoldaten

Der Weg zurück in ein normales Leben ist für ehemalige Kindersoldaten und Kindersoldatinnen sehr schwer. Oft sind sie traumatisiert von dem, was sie erlebt haben – und selbst tun mussten. In manchen Fällen werden sie in ihren Familien und Dörfern als Mörder angesehen und können nur langsam wieder in die Gesellschaft integriert werden. Mädchen werden besonders häufig von ihren Familien verstoßen, wenn sie ungewollt schwanger geworden sind und mit einem Kind zurückkehren.

  • Wir setzen uns unermüdlich dafür ein, dass Kindersoldaten und Kindersoldatinnen befreit, die betroffenen Mädchen und Jungen vor weiteren Verletzungen der Kinderrechte beschützt werden und dass Regierungen Aktionspläne verabschieden und umsetzen, um neue Rekrutierungen zu verhindern.
  • UNICEF richtet Übergangszentren ein, in denen die Kinder und Jugendlichen bleiben können und medizinisch und psychologisch betreut werden.
  • Wir helfen auch dabei, die Kinder und Jugendlichen wieder in die Schule zu bringen oder ihnen durch praktische Kurse verschiedene Arbeitsmöglichkeiten nahe zu bringen – damit sie bei nächster Gelegenheit und aus Mangel an Alternativen nicht erneut der Gefahr ausgesetzt sind, als Kindersoldat*innen rekrutiert zu werden.

Leider sind die Reintegrationsprogramme zur Wiedereingliederung ehemaliger Kindersoldatinnen und -soldaten derzeit unterfinanziert.

Schützen Sie Kinder vor Gewalt und Ausbeutung!

Angst und Verzweiflung prägen den Alltag von Kindern, die als Kindersoldat*innen und Arbeiter*innen ausgebeutet, in Konflikten und Notsituationen traumatisiert oder missbraucht werden. Sie können dafür sorgen, dass diese Kinder gesetzlichen Schutz und professionelle Hilfe bekommen!

Spendenbetrag
Spendenzweck
Kinderschutz

Kinderrechtsverletzungen müssen gestoppt und geahndet werden. Es ist daher wichtig, dass Länder wie Deutschland ihrer zentralen Rolle nachkommen und sich durch humanitäre Diplomatie für einen besseren Schutz von Kindern, Zugang für humanitäre Hilfe und Schutz von ziviler Infrastruktur sowie die Einhaltung des humanitären Völkerrechts einsetzen.
Humanitäre Hilfe und Programme zur Friedensförderung und Konfliktprävention tragen außerdem zu Stabilität und Frieden bei. Programme für Armutsbekämpfung und Bildung verringern das Risiko, dass Kinder rekrutiert werden.

Was können Sie für ehemalige Kindersoldat*innen tun?

Sie können sich weiter zu dem Thema informieren, darüber sprechen oder vertrauenswürdige Inhalte teilen – um über den Einsatz von Kindersoldat*innen aufzuklären. Mit einer Spende unterstützen Sie Programme, wie die von UNICEF, um Kinder aus bewaffneten Gruppen zu befreien und ihnen anschließend Schutz, psychosoziale Begleitung sowie den Weg in die Schule, Ausbildung und ein sicheres Umfeld zu ermöglichen.

Neben den oben genannten Möglichkeiten können Sie sich zum Beispiel ehrenamtlich für UNICEF engagieren. Die Freiwilligen setzen sich mit UNICEF für Kinder auf der ganzen Welt ein – und organisieren Aktionen zu verschiedenen Themen. Sie schaffen ein Bewusstsein für die Lage der Kinder weltweit. Zum Beispiel am “Red Hand Day”, dem internationalen Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten und Kindersoldatinnen. Dazu erfahren Sie im weiteren Verlauf dieser Seite mehr.

Aktionstag "Red Hand Day" in Deutschland gegen den Einsatz von Kindersoldat*innen

UNICEF ruft bundesweit dazu auf, am 12. Februar beim Aktionstag gegen die Rekrutierung und den Einsatz von Kindersoldat*innen mitzumachen. Am "Red Hand Day" beteiligen sich jedes Jahr vor allem viele Kinder und Jugendliche und setzen mit einem roten Handabdruck ein Zeichen.

Kindersoldaten: Aktion „Red Hand Day“ gegen Einsatz von Kindersoldaten in Mosambik

Eine UNICEF-Mitarbeiterin in Mosambik zeigt ihre Unterstützung für den „Red Hand Day“, eine weltweite Aktion, bei der am Welttag 12. Februar mit roten Handabdrücken gegen den Einsatz von Kindersoldat*innen protestiert wird.

© UNICEF/UN0826817/Silva

Auf einen Blick: FAQ Kindersoldat*innen

* Dieser Beitrag erschien zuerst am 16.04.2015. Wir aktualisieren ihn für Sie regelmäßig mit den neuesten verfügbaren Zahlen, Infos, Fotos und Geschichten. An dieser Aktualisierung hat Sandra Redegeld mitgearbeitet.

Autor*in Ninja Charbonneau