© UNICEF/UN0149463/Sokhin

Kinder weltweit

Kindersoldaten in Afrika und weltweit: Opfer und Täter zugleich

Kinder leiden am meisten unter Kriegen und Konflikten. Besonders grausam ist es, wenn Erwachsene sie in ihre Kriege verwickeln und dazu bringen, als Kindersoldat oder Kindersoldatin zu kämpfen und zu töten.

Mittwoch, 10.02.2021, 15:00 Uhr

von Ninja Charbonneau  •  17 Kommentare

Rekrutierung und Einsatz von Kindern in Konflikten: Kinder ohne Kindheit

Kinder werden aber nicht nur zum Kämpfen benutzt, sondern zum Beispiel auch zum Spähen oder Kochen, oder sie werden sexuell missbraucht. Mädchen, die als Kindersoldatinnen rekrutiert werden, sind in besonderem Maße verwundbar und häufig sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt und Ausbeutung ausgesetzt. Viel zu oft bleiben diese Gräueltaten unsichtbar.

Jeder Einsatz von Kindern durch Armeen und bewaffnete Gruppen ist eine schwere Verletzung von Kinderrechten, bei Kindern unter 15 Jahren gilt er sogar als Kriegsverbrechen. Wenn hier vereinfachend von "Kindersoldaten und Kindersoldatinnen" die Rede ist, sind damit – so die offizielle Bezeichnung bei den Vereinten Nationen – alle Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren gemeint, die bewaffneten Streitkräften oder Gruppen angegliedert sind. 

UNICEF setzt sich weltweit dafür ein, die Rekrutierung von Minderjährigen zu beenden, Kindersoldaten und Kindersoldatinnen freizulassen und ihnen dabei zu helfen, ein neues, ziviles Leben anzufangen.

Im Südsudan und anderen Ländern wie der Zentralafrikanischen Republik oder der Demokratischen Republik Kongo gelingt es dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen und Partnern immer wieder, Kindersoldaten zu befreien und sie bei der Wiedereingliederung zu unterstützen. Aber Zehntausende Jungen und auch Mädchen werden immer noch als Kindersoldaten und Kindersoldatinnen missbraucht. Sie sind Zeugen von Gewalt und begehen selbst Gewalttaten. Vor allem aber sind sie Opfer und brauchen besonderen Schutz. Sie sind Kinder ohne Kindheit, und der Weg zurück in ein normales Leben ist schwer. 

Am 12. Februar ist Welttag gegen den Einsatz von Kindersoldaten und Kindersoldatinnen – eine jährliche Erinnerung, dass noch viel passieren muss, um diese schwere Verletzung der Kinderrechte endlich zu beenden.

Kindersoldaten erzählen UNICEF ihre Geschichte

Viele Kinder haben als Kämpfer jahrelang das Töten gelernt, wurden ausgebeutet und missbraucht. Meist sind sie nie zur Schule gegangen. Viele bewaffnete Gruppen setzen die Mädchen und Jungen ein, weil sie leichter zu manipulieren oder schlicht billiger sind als Erwachsene. Die Gründe, weshalb sich Minderjährige bewaffneten Gruppen anschließen, sind vielfältig: Teilweise werden Kinder entführt und mit Gewalt dazu gezwungen, in anderen Fällen nutzen Milizen die Armut und Not der Kinder aus.

Tom und andere befreite Kindersoldaten im Südsudan haben UNICEF-Mitarbeitern ihre Geschichte erzählt:

Kindersoldaten: Tom erzählt seine Geschichte

Tom war drei Jahre Kindersoldat im Südsudan.

© UNICEF/UN043977/Kolok

Als Tom (alle Namen geändert) mit 14 seine Waffe niederlegt, hat er drei Jahre voller Gewalterfahrung hinter sich – er war erst elf, als sein Dorf in Pibor überfallen wurde. "Ich erinnere mich noch daran, als ob es gestern wäre. Ich hörte überall Schüsse und schreiende Menschen. Häuser haben gebrannt. Gerade, als wir unser Haus verlassen wollten, wurden wir von Soldaten eingekreist. Sie haben meine älteren Brüder geschlagen und gefragt, ob sie Waffen hätten. Meine Eltern sind mit mir und den anderen jüngeren Kindern in den Wald gerannt. Aus unserem Versteck haben wir gesehen, wie die Männer unser Haus abgebrannt und meine älteren Brüder mitgenommen haben."

Es war nicht das erste Mal, dass Toms Dorf angegriffen wurde. Bei einem früheren Angriff war eine seiner Schwestern getötet worden. "Ich konnte es nicht mehr ertragen, unschuldige Kinder und Frauen sterben zu sehen. Ich war sehr verbittert wegen des Tods meiner Schwester. Deshalb habe ich beschlossen, dass ich etwas tun muss. Ich wollte mich wegen all der Morde rächen, vor allem an dem meiner Schwester, deshalb schloss ich mich der Cobra-Miliz an."

Toms Eltern waren damit einverstanden. Fast ein Jahr lang blieb er zunächst bei der Miliz. An den Tagen, an denen er nicht als Kämpfer gebraucht wurde, half er als Koch, Träger oder Wachtposten. 2014 schickte ihn der Kommandeur weg und sagte ihm, er solle zur Schule gehen. Aber als Toms Dorf zwei Jahre später erneut angegriffen wurde, wurde Tom wieder Kindersoldat. "Ich hatte keine Wahl: Entweder würde ich zur Cobra-Miliz gehen oder von den Regierungssoldaten getötet werden, also ging ich zur Cobra."

Kindersoldaten erzählen: Tom steht in einer Waldlichtung

Tom und seine Familie sind inzwischen wiedervereint.

© UNICEF/UN043976/Kolok

Anders als viele andere Kindersoldaten erlebte Tom keine Zwangsrekrutierung – für ihn war die bewaffnete Gruppe ein Umfeld, in dem er etwas Schutz und regelmäßig zu essen bekam. Trotzdem ist der 14-Jährige heute traurig, wenn er an seine Zeit als Kindersoldat zurückdenkt: "Ich habe das Gefühl, dass ich drei Jahre meines Lebens verloren habe. Wenn ich zur Schule gegangen wäre, würde ich jetzt bald einen Abschluss machen."

Die verlorenen Jahre kann Tom zwar nicht nachholen, aber er bekommt jetzt eine zweite Chance. In einem von UNICEF unterstützten Interims-Center hat er Beratung und psychosoziale Hilfe erhalten. Inzwischen wurde er mit seiner Familie wiedervereint und hofft, dass er bald zur Schule gehen kann."Nie wieder! Nie wieder werde ich mich einer Miliz anschließen! Wenn es noch mal Kämpfe in meinem Dorf gibt, werde ich wegrennen und mich verstecken. Und wenn es ruhig ist, werde ich zur Schule gehen."

Wo gibt es Kindersoldaten?

Kindersoldaten und Kindersoldatinnen weltweit

Kindersoldaten gibt es in vielen Ländern – obwohl die unfreiwillige Rekrutierung und die Beteiligung von Minderjährigen an Kampfhandlungen in den meisten Ländern verboten ist. Niemand weiß, wie viele Kindersoldatinnen und Kindersoldaten es weltweit tatsächlich gibt. 

Manche Schätzungen gehen von bis zu 250.000 Kindersoldaten und Kindersoldatinnen weltweit aus, aber Beweise gibt es nur in deutlich weniger Fällen. Die Vereinten Nationen veröffentlichen jedes Jahr einen Bericht über Kinder in bewaffneten Konflikten, in dem auch die Zahlen für nachweislich rekrutierte Kinder genannt werden – und die Namen der dafür verantwortlichen Armeen oder bewaffneten Gruppen. Auf dieser sogenannten "Liste der Schande" stehen momentan über 60 Konfliktparteien. In 19 Ländern beziehungsweise Konfliktsituationen wurden schwerste Menschenrechtsverletzungen gegen Kinder dokumentiert – dazu gehören die Rekrutierung von Kindersoldaten, aber auch die Tötung und Verstümmelung von Kindern oder Angriffe auf Schulen und Krankenhäuser. Insgesamt wurden 2019 über 25.000 dieser schwersten Verstöße verifiziert.

Besonders viele Mädchen und Jungen werden von verschiedenen Gruppen in den langwierigen Konflikten im Südsudan, in der Zentralafrikanischen Republik, in der Demokratischen Republik Kongo, in Somalia, in Syrien und im Jemen für ihre Zwecke missbraucht. Auch in Afghanistan, Mali oder Myanmar werden Mädchen und Jungen als Kindersoldaten oder Helfer von bewaffneten Gruppen eingesetzt. Problematisch ist außerdem häufig der Umgang der Sicherheitskräfte mit Kindern und Jugendlichen, die wegen ihrer (vermeintlichen) Zugehörigkeit zu einer bewaffneten Gruppe inhaftiert und teilweise misshandelt werden. Mädchen sind dabei besonders verletzlich. Neben aktiven Kampfhandlungen sind sie gleichzeitig massiver Gewalt innerhalb der Gruppen und Armeen ausgesetzt. 

Im Jahr 2019 konnten laut des Berichts der Sonderbeauftragten der Vereinten Nationen für Kinder in bewaffneten Konflikten weltweit 13.200 Mädchen und Jungen aus bewaffneten Gruppen befreit werden. Aber Tausende Kinder sind weiter im Kriegseinsatz. Allein in Somalia wurden durch die Vereinten Nationen 2019 rund 1.500 Fälle und in der Demokratischen Republik Kongo 600 Fälle von Minderjährigen dokumentiert, die in bewaffneten Konflikten neu als Kindersoldaten rekrutiert wurden. Es wird geschätzt, dass die Dunkelziffer noch weit höher ist. 

Kindersoldaten in Afrika: Beispiel Südsudan

Jahrelanger Bürgerkrieg, chronische Armut, fehlende soziale Dienste und Hunger: Die Lage für die Kinder im Südsudan ist nach wie vor katastrophal. Auch wenn es seit Frühjahr 2020 eine neue Übergangsregierung gibt, ist die Aussicht auf dauerhaften Frieden gering. Mehr als 7,9 Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, darunter 4,1 Millionen Kinder. Rund vier Millionen Menschen wurden aus ihrem Zuhause vertrieben.

kindersoldaten-afrika-junge-mit-waffe-suedsudan-UN0276001
© UNICEF/UN0276001/Rich/Photographer

Sowohl die Regierung als auch die Opposition im Südsudan haben Vereinbarungen unterschrieben, dass sie die Rekrutierung und den Einsatz von Kindern in Streitkräften und bewaffneten Gruppen beenden wollen. UNICEF setzt sich beharrlich bei allen Konfliktparteien dafür ein, dass sie ihr Versprechen auch umsetzen. Seit 2013 hat das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen die Befreiung und Reintegration von über 3.780 Mädchen und Jungen aus den Reihen von Armeen und Milizen unterstützt. Sie werden registriert und in ein Programm aufgenommen, das ihnen Schritt für Schritt bei der Wiedereingliederung in die Gesellschaft hilft. 

Welttag gegen den Einsatz von Kindersoldaten

Am 12. Februar 2002 trat das Zusatzprotokoll zur UN-Kinderrechtskonvention zum Verbot der Beteiligung von Kindern in bewaffneten Konflikten in Kraft. Deshalb wird jährlich am 12. Februar der Welttag gegen die Rekrutierung und den Einsatz von Kindersoldaten begangen. Bis heute sind ihm 168 Staaten beigetreten. Deutschland hat das Zusatzprotokoll im Dezember 2004 ratifiziert.

Kindersoldaten in Afrika: Ehemalige Kindersoldaten im Südsudan mit ziviler Kleidung
© UNICEF/UN0275981/Rich/Photographer

Das Abkommen hat weltweit Diskussionen angestoßen und Gesetzesänderungen bewirkt. Laut Zusatzprotokoll gilt die Rekrutierung von Kindern unter 15 Jahren als Kriegsverbrechen. Mädchen und Jungen unter 18 Jahren dürfen nicht gegen ihren Willen eingezogen werden oder an Kampfhandlungen teilnehmen. Das Zusatzprotokoll zur UN-Kinderrechtskonvention hat unter anderem dazu beigetragen, dass Verantwortliche erstmals vor dem Internationalen Strafgerichtshof angeklagt wurden.

So wurde 2012 der kongolesische Milizenchef Thomas Lubunga vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag wegen der Rekrutierung von Kindersoldaten zu 14 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt – ein wichtiges weltweites Signal. Auch Charles Taylor, der ehemalige Präsident von Liberia, wurde 2012 zu 50 Jahren Gefängnis verurteilt. Ihm wurde eine Reihe von Kriegsverbrechen zur Last gelegt, darunter die Rekrutierung und der Einsatz von Kindersoldaten.

UNICEF-Hilfe für ehemalige Kindersoldatinnen und Kindersoldaten

Der Weg zurück in ein normales Leben ist für ehemalige Kindersoldaten und Kindersoldatinnen sehr schwer. Oft sind sie traumatisiert von dem, das sie erlebt haben – und selbst tun mussten. In manchen Fällen werden sie in ihren Familien und Dörfern als Mörder angesehen und können nur langsam wieder in die Gesellschaft integriert werden. Mädchen werden besonders häufig von ihren Familien verstoßen, wenn sie ungewollt schwanger geworden sind und mit einem Kind zurückkehren.

  • Wir setzen uns unermüdlich dafür ein, dass Kindersoldaten befreit , die betroffenen Mädchen und Jungen vor weiteren Verletzungen der Kinderrechte beschützt werden und dass Regierungen Aktionspläne verabschieden und umsetzen, um neue Rekrutierungen zu verhindern.
  • UNICEF richtet Übergangszentren ein, in denen die Kinder und Jugendlichen bleiben können und medizinisch und psychologisch betreut werden. 
  • Wir helfen auch dabei, die Kinder und Jugendlichen wieder in die Schule zu bringen oder ihnen durch praktische Kurse verschiedene Arbeitsmöglichkeiten nahe zu bringen – damit sie bei nächster Gelegenheit und aus Mangel an Alternativen nicht erneut der Gefahr ausgesetzt sind, als Kindersoldaten rekrutiert zu werden.

Leider sind die Reintegrationsprogramme zur Wiedereingliederung ehemaliger Kindersoldatinnen und -soldaten derzeit unterfinanziert. Etwa im Südsudan, wo UNICEF damit rechnet, für die nächsten drei Jahre fünf Millionen US-Dollar für diese Programme zu brauchen. Bislang ist davon nur ein Fünftel finanziert.

Schützen Sie Kinder vor Gewalt und Ausbeutung!

Angst und Verzweiflung prägen den Alltag von Kindern, die als Kindersoldaten und Arbeiter ausgebeutet, in Konflikten und Notsituationen traumatisiert oder missbraucht werden. Sie können dafür sorgen, dass diese Kinder gesetzlichen Schutz und professionelle Hilfe bekommen!

Euro
Kinderschutz

Geschichten von fünf weiteren Kindersoldaten

Kindersoldaten: Ein Mädchen posiert mit einem Spielzeug-Gewehr
© UNICEF/UN0149464/Sokhin

Ein Mädchen in der Zentralafrikanischen Republik posiert im November 2017 nach ihrer Freilassung mit einem Spielzeug-Gewehr. Nachdem ihr älterer Bruder getötet worden war, floh sie und schloss sich einer Miliz an, die übersetzt "Ohne Gnade" heißt. "Ich holte Wasser für sie und Feuerholz zum Kochen. Ich habe auch viele andere Sachen für sie gemacht, so dass sie mich brauchten und nicht gehen lassen wollten. Jetzt gehe ich wieder zur Schule und versuche, alles zu vergessen. Manchmal möchte ich über das sprechen, was passiert ist, aber dann mache ich es doch nicht."

Kindersoldaten: Junior wurde von der Anti-Balaka-Miliz mitgenommen
© UNICEF/UN0149463/Sokhin

"Junior", 16, aus der Zentralafrikanischen Republik erzählt: "Früher haben wir hier friedlich mit unseren muslimischen Nachbarn zusammengelebt, aber nach Dezember 2013 wurde alles anders. Eines Morgens waren plötzlich Schüsse zu hören. Wir sind in den Wald geflohen, mein Bruder und ich, zusammen mit allen Dorfbewohnern. Die Anti-Balaka-Miliz hat mich mitgenommen und gesagt, sie wollten mich beschützen. Aber die Wahrheit ist, sie wollten nur jemanden, der für sie arbeiten kann.

Nach zwei Monaten konnte ich weglaufen und zur gleichen Zeit hat das von UNICEF unterstützte Programm begonnen. Ich wurde aufgenommen. Manchmal frage ich mich, was aus mir geworden wäre, wenn ich nicht in das Programm gekommen wäre." Junior besucht ein von UNICEF unterstütztes Reintegrationszentrum für Kinder, die bei bewaffneten Gruppen waren. Sie können dort unter anderem Handwerkskurse besuchen.

Kindersoldaten in Afrika und weltweit: Fimi aus der Demokratischen Republik Kongo hinter einem Vorhang
© UNICEF/UN0271319/Tremeau

Fimi (12) musste mit ansehen, wie ihre Mutter von Milizionären enthauptet wurde. Mit ihr würden sie das gleiche machen, wenn sie nicht mitkommt, drohten die Männer, die ihr Dorf in der Demokratischen Republik Kongo überfielen. "Als Soldaten der Regierung in das Dorf kamen, sind wir alle in den Wald geflohen", erzählt Fimi. "Ein Mitarbeiter einer Hilfsorganisation kam zu uns und hat uns gesagt, dass wir rauskommen und uns ergeben sollen, dann würden wir nicht verhaftet werden."

Fimi wurde in ein von UNICEF unterstütztes Transit- und Orientierungszentrum für ehemalige Kindersoldaten aufgenommen. Über das Zentrum konnte ein Onkel des Mädchens ausfindig gemacht werden, der sich um sie kümmert. 

Kindersoldaten in Afrika und weltweit: James, ehemaliger Kindersoldat aus dem Südsudan mit dem Rücken zum Betrachter
© UNICEF/UN0272621/Holt

James war beim Angeln mit seinen Freunden im Südsudan, als er von einer bewaffneten Gruppierung entführt wurde. Er war damals erst 13. Sie zwangen ihn, zu trainieren und zu kämpfen. Erst als er im Bein angeschossen wurde und man ihn zum Sterben einfach liegen ließ, konnte er gerettet werden. Mit Unterstützung von UNICEF konnte er mit seiner Mutter und seinen Geschwistern wieder zusammengeführt werden – er hatte sie drei Jahre lang nicht gesehen. 

Die physischen und psychischen Wunden jedoch machen James immer noch zu schaffen. "Meine Beinverletzung ist immer noch ein Problem. Manche Leute nennen mich behindert, und das mag ich nicht. Ich habe Beratung bekommen, und das hilft mir. Wenn mich jetzt jemand wütend macht, antworte ich ruhig und nicht mit Gewalt." James versucht, seine Zeit als Kindersoldat hinter sich zu lassen. "Ich habe versucht, alles zu vergessen, was passiert ist. Wenn ich immer an meine Vergangenheit denken würde, würde ich verrückt werden, also gucke ich nach vorne. Ich möchte ein besserer Mensch sein, ich möchte ein Vorbild sein, eine Schule bauen und in einem Krankenhaus arbeiten."

Kindersoldaten in Afrika und weltweit: Gabriel zeichnet Schaltkreise in ein UNICEF-Heft
© UNICEF/UN0272596/Holt

Gabriel aus dem Südsudan war 15, als er entführt wurde. "Ich war auf dem Weg zum Bauernhof unserer Familie. Fünf Männer mit Waffen sind plötzlich aufgetaucht. Ich dachte, sie würden mich töten. Sie haben mir eine Waffe gegeben und mich trainiert. Sie haben mir gezeigt, wie man sich aufstellt, wie man entschärft und wie man schießt. Wir wurden geprüft, und wenn wir Fehler gemacht haben, wurden wir bestraft. Wir wurden oft geschlagen und haben viel gelitten."

Noch bevor sein Training abgeschlossen war, wurden sie angegriffen. Gabriel erzählt: "Wir haben gerade Essen zubereitet, als wir laute Schreie gehört haben. Ich und die anderen in der Ausbildung wussten nicht, was wir tun sollten. Ich bin gerannt und habe mich versteckt, aber überall wurde geschossen. Ich wurde von einem Granatsplitter im Gesicht getroffen, darum bin ich jetzt auf einem Auge blind."

Als der Kampf vorbei war, wurden die Verletzten in ein Krankenhaus gebracht und dort von den Soldaten allein gelassen. Für Gabriel war das sein Glück: Er lebt jetzt wieder mit seiner Familie zusammen und nimmt an einem Kurs teil, um Elektriker zu werden. Die Wiedereingliederung dauert. Gabriel ist schwer traumatisiert: "Ich habe immer noch Alpträume von den Kämpfen. Es ist, als würde ich alles noch mal erleben – den Geruch, den Lärm, die Gewalt – es ist grauenhaft. Aber der Workshop hilft mir, nach vorne zu sehen und ich fühle, dass es Hoffnung gibt. Mein Traum ist, einen Job als Elektriker zu finden und meinem Vater zu helfen."

Kindersoldaten: Der Hoffnungsträger Ishmael Beah zwischen lauter Kindern
© UNICEF/UN034138/Torgovnik/Verbatim Photo Agency

Vom Kindersoldat zum Hoffnungsträger: Ishmael Beah, hier bei einem Besuch seiner früheren Grundschule in Sierra Leone, hat ein Buch über seine Zeit als Kindersoldat geschrieben ("Rückkehr ins Leben") und setzt sich heute mit UNICEF dafür ein, dass Kinder in Konflikten geschützt werden und zur Schule gehen können. 

Aktionstag "Red Hand Day" in Deutschland gegen den Einsatz von Kindersoldaten

UNICEF ruft bundesweit dazu auf, am 12. Februar beim Aktionstag gegen die Rekrutierung und den Einsatz von Kindersoldaten mitzumachen. Am "Red Hand Day" beteiligen sich jedes Jahr vor allem viele Kinder und Jugendliche und setzen mit einem roten Handabdruck ein Zeichen.

* Dieser Beitrag erschien zuerst am 16.04.2015. Wir haben ihn für Sie aktualisiert.

Schreiben Sie einen Kommentar

Herzlich Willkommen im UNICEF-Blog! Für ein faires Miteinander beachten Sie bitte die Verhaltensregeln. Wir verarbeiten Ihre Daten mit Ihrer Einwilligung gemäß Art. 6 Abs. 1 f DSGVO, damit Sie einen Kommentar hinterlassen können. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.