WELTWASSERWOCHE 2018: 10 FAKTEN ÜBER WASSER

24. August 2018 von Tim Rohde 2 Kommentare

Wasser ist nicht nur elementarer Bestandteil des Lebens – es ist ein Menschenrecht. Umso alarmierender die weltweite Situation: Millionen Menschen leiden unter Wasserknappheit und mangelnder Hygiene. Was sind die Folgen, vor allem für Kinder? 

Zur Weltwasserwoche 2018 sollten wir uns diese 10 Dinge bewusstmachen.

Weltwasserwoche 2018: Ein Junge trinkt aus einem Wasserhahn.

© UNICEF/UN0185038/Haro

HERAUSFORDERUNGEN WELTWEIT: WASSERKNAPPHEIT, KLIMAWANDEL, SANITÄRVERSORGUNG

Am Sonntag startet in Stockholm die Weltwasserwoche – eine Woche lang beratschlagen Experten darüber, wie man die weltweiten Herausforderungen von Wasserknappheit, Klimawandel und Sanitärversorgung in den Griff bekommen kann.

Der Zugang zu sauberem Wasser und Hygiene ist essentiell für Überleben und Entwicklung – ganz besonders für kleine Kinder. „Wasser und Sanitärversorgung für alle“ lautet demnach das sechste der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs). Doch davon sind wir weit entfernt. Höchste Zeit, sich einmal ein paar Dinge zum Thema Wasser vor Augen zu führen.

1. Die Wasserkrise geschieht jetzt!

2,1 Milliarden Menschen weltweit haben keinen Zugang zu sauberem Wasser. Eine unfassbare Zahl. Rund 884 Millionen Menschen haben noch nicht einmal eine Grundversorgung mit Wasser. Betroffen sind vor allem Menschen oder Familien in den ärmeren Regionen der Welt – und dort vor allem in den ländlichen Gebieten.

Dabei sind mehr als zwei Drittel der Erde von Wasser bedeckt, allerdings sind nur 0,3 Prozent davon trinkbar. Und dieses Trinkwasser ist zudem sehr ungleich verteilt. Besonders in Afrika, Lateinamerika und Asien herrscht vielerorts dramatische Wasserknappheit.

Weltwasserwoche 2018: Ein Junge läuft neben einem Esel-Gespann über ausgedörrtes Land

Ausgetrocknete Felder, Staub und Steine: Der Wassermangel lässt sich an der kargen Landschaft Äthiopiens ablesen.
© UNICEF/UN022121/Mulugeta Ayene

Eine Besserung ist momentan nicht in Sicht. Laut aktuellem UN-Weltwasserbericht könnte bis 2050 die halbe Weltbevölkerung vom Mangel an sauberem Wasser betroffen sein. Der Bericht plädiert für „grüne“ Lösungen – etwa natürliche Wasserkreisläufe, die für die Wasserversorgung genutzt werden sollten. Wann findet ein echtes Umdenken statt?

2. Wasser muss nicht nur sauber, es muss „sicher“ sein.

Hier bei UNICEF wird von „sicherem“ Wasser gesprochen, wenn es für die Menschen in der Nähe ihres Zuhauses zugänglich, bei Bedarf verfügbar und natürlich frei von Verunreinigungen ist.

Nur dann können sich Familien darauf verlassen, dass ihre Gesundheit nicht gefährdet ist. Was nützt es, wenn es zwar Wasser in der Nähe gibt, es aber aus einem verschmutzten Fluss kommt und voller Krankheitserreger steckt?

So ist die Situation etwa für Baraka aus dem Südsudan. Mit seiner Mutter und seinen Geschwistern lebt der 5-Jährige am Stadtrand der Hauptstadt Juba. Im Bürgerkrieg wurden Wasserstellen und Brunnen gezielt beschädigt und zerstört. Die einzige Alternative für die Familie: Wasser aus einem nahegelegenen Fluss holen. Verschmutztes Wasser, dass mit Keimen und Bakterien verunreinigt sein und zu Krankheiten führen kann.

3. Ohne Wasser und Hygiene verbreiten sich Krankheiten besonders schnell.

Verschmutztes Wasser aus Flüssen ist ein Problem – ein weiteres ist mangelnde Hygiene. 4,5 Milliarden Menschen nutzen keine sicheren Sanitäranlagen. Dazu gehört etwa eine Toilette, die dafür sorgt, dass Menschen nicht in Kontakt mit den Ausscheidungen kommen, und ein System, das die Ausscheidungen sicher entsorgt.

Krankheiten können sich sonst schnell ausbreiten – eine tödliche Gefahr für kleine Kinder. Auch hier ist der Südsudan ein mahnendes Beispiel: Ein Cholera-Ausbruch hatte dort seit dem Sommer 2016 über 400 Todesopfer gefordert.

In der Regenzeit drohen weitere Ausbrüche: Überflutungen verschmutzen die Wasserquellen, viele sanitäre Anlagen sind in schlechtem Zustand – oder gar nicht erst vorhanden. Deshalb setzen wir uns mit der „Keep it zero!“-Kampagne dafür ein, dass die Zahl der Cholera-Fälle bei Null bleibt.

Infografik: Cholera-Ausbruch im Südsudan 2016-17

© UNICEF DT/Superblau

4. „Open defecation“ ist weiter verbreitet, als man denkt.

Hierzulande praktisch undenkbar, in vielen Regionen der Welt Alltag: Über 892 Millionen Menschen praktizieren den Stuhlgang im Freien. Sie verfügen also noch nicht einmal über eine einfache Toilette, sondern verrichten ihre Notdurft am Straßenrand, auf Feldern oder im Gebüsch.

Wie kann man das ändern? Unter anderem durch Aufklärung: UNICEF kümmert sich beispielsweise in ländlichen Dorfgemeinschaften nicht nur um Ausbau und Wartung der Wassersysteme oder den Bau von Latrinen, sondern schult auch so genannte „Wasserkomitees“.

Die Mitglieder der Komitees informieren andere Dorfbewohner dann beispielsweise über einfache Hygienepraktiken oder die Gefahr von Krankheiten. Oder sie überprüfen die Qualität des vorhandenen Trinkwassers.

Weltwasserwoche 2018: Ein Bürgerkomitee in Niger klärt andere Dorfbewohner auf.

Dieses Bürgerkomitee in Niger hat unter anderem die Aufgabe, die Dorfgemeinschaft für das Thema Hygiene zu sensibilisieren.
© UNICEF/Claudia Berger

5. Wie immer: Die Kinder sind am meisten gefährdet.

Noch immer gehören der Mangel an sauberem Wasser und Hygiene zu den häufigsten Todesursachen bei Kindern unter fünf Jahren. Jeden Tag sterben mehr als 700 Kinder an vermeidbaren Krankheiten wie etwa Durchfall, die durch verunreinigtes Wasser oder mangelnde Hygiene hervorgerufen wurden.

Dabei ist Hygiene einer der einfachsten und kostengünstigsten Wege, um lebensgefährliche Krankheiten zu verhindern. Die Kinder auf den Philippinen haben nach dem großen Taifun 2013 gelernt, beim Händewaschen mit Seife zweimal „Happy Birthday“ zu singen – das ist genau die richtige Zeit, um gefährliche Krankheitserreger zu beseitigen. Ein wichtiger Hinweis, denn in einigen der ärmsten Regionen der Erde ist Händewaschen nicht selbstverständlich.

6. Unzählige Babys werden unter unhygienischen Bedingungen geboren.

Rund 35% der Krankenhäuser und Gesundheitszentren weltweit verfügen nicht über fließendes Wasser und Seife zum Händewaschen. 19% haben keine einfachen Toiletten. Unter solchen Umständen sind sichere Geburten kaum möglich. Und Hygiene ist rund um die Geburt lebenswichtig. Wird beispielsweise die Nabelschnur mit einem nicht sterilen Gegenstand durchtrennt, kann das Baby Gefahr laufen, sich mit einer lebensbedrohlichen Krankheit wie Tetanus zu infizieren.

In Notsituationen ist die Lage besonders dramatisch: Als zum Beispiel 2015 zwei schwere Erdbeben Nepal erschütterten, wurden unter anderem viele Krankenhäuser und Geburtszentren zerstört – in einigen Regionen sogar rund 70 Prozent der Geburtszentren. UNICEF richtete Gesundheitsstationen und Notunterkünfte ein, wo Mütter ihre Babys sicher und unter hygienischen Bedingungen auf die Welt bringen konnten.

Weltwasserwoche 2018: Eine schwangere Frau wird in einer Notunterkunft untersucht.

Bald ist es so weit: Diese werdende nepalesische Mutter hat einen sicheren und sauberen Ort für die anstehende Geburt gefunden.
© UNICEF/UN016490/Shrestha

7. Wassermangel verhindert Schulbildung.

Wenn Kinder täglich lange Wege gehen müssen, um Wasser für die Familie zu holen, verpassen sie oft die Chance, zur Schule zu gehen. Gerade für Kinder ist dies wertvolle Zeit, in der sie nicht Kind sein und nicht lernen können. So ergeht es zum Beispiel Aysha aus Äthiopien. Dies ist ein Tag in ihrem Leben…

Hinzu kommt: Wenn Schulen kein sicheres Trinkwasser und keine Toiletten haben, können Kinder nicht in einer angemessenen Umgebung lernen. Und Mädchen bleiben während ihrer Menstruation häufig lieber zu Hause.

Weltweit haben nur etwa 69% der Schulen grundlegenden Zugang zu Trinkwasser, und nur 66% haben sanitäre Anlagen. Rund 900 Millionen Kinder haben an ihrer Schule keinen Zugang zu Hygiene. Besonders betroffen sind die afrikanischen Länder südlich der Sahara.

8. Der Klimawandel macht es noch schlimmer.

Das sich verändernde Klima sorgt dafür, dass noch mehr Wasserquellen vertrocknen oder verschmutzt werden. Bis 2040 werden 600 Millionen Kinder in Gebieten leben, die von extremer Trockenheit betroffen sind – wenn wir nicht bald handeln!

Das globale Wetterphänomen El Niño hat uns in den vergangenen Jahren vorgeführt, welche Auswirkungen der Klimawandel haben kann. Insbesondere die Länder des östlichen und südlichen Afrika wurden mit voller Wucht getroffen: Extreme Trockenheit und Dürre wechselten sich mit sintflutartigen Regenfällen ab.

Weltwasserwoche 2018: Eine UNICEF-Wasserstelle in Äthiopien hilft Familien bei extremer Trockenheit.

Eine UNICEF-Wasserstelle in Äthiopien hilft Familien bei extremer Trockenheit.
© UNICEF/UN010167/Ayene

9. In Konflikten und Krisen haben Kinder doppelt so häufig keinen Zugang zu Wasser.

Weltweit benötigen rund 117 Millionen Menschen in Notsituationen dringend sauberes Wasser. Ein besonders eindringliches Beispiel ist der Bürgerkrieg in Syrien. Jahrelange Kämpfe haben dort tiefe Spuren hinterlassen: Die Wasserversorgung ist in vielen Orten zusammengebrochen, Millionen Menschen sind betroffen.

UNICEF bekämpft den Wassermangel in Syrien mit Notlieferungen auf Trucks sowie dem Bau und der Reparatur von Brunnen und Infrastruktur. Tagtäglich versorgen unsere Kollegen die Kinder in den zerstörten Städten und Flüchtlingsunterkünften mit sauberem Wasser. Ein besonderes Anliegen ist der Wiederaufbau der dauerhaften Wasserversorgung von Schulen.

Nothilfe Syrien: UNICEF-Mitarbeiterin und Kinder am Trinkwasser-LKW

UNICEF-Leiterin Hanaa Singer bei einer Trinkwasserlieferung für Kinder und ihre Familien in Syrien.
© UNICEF/UN033883/Al-Issa

10. Wir müssen mehr tun!

Die Zahlen und Fakten machen deutlich: Die Welt ist noch nicht auf dem richtigen Weg, um das sechste der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung zu erreichen: „Wasser und Sanitärversorgung für alle“.

UNICEF arbeitet bereits auf höchster politischer Ebene und fordert Regierungen dazu auf, ihre Verpflichtungen zur Verbesserung des Zugangs zu Wasser und Hygiene einzuhalten und zu bekräftigen. Außerdem sollte die Zusammenarbeit von Regierungen und nationalen Statistikämtern gestärkt werden, um die Erhebung, Analyse und Verbreitung von Daten zu verbessern.

Und dann könnten technische Entwicklungen und Innovationen weiterhelfen, wie dieses Beispiel aus Malawi zeigt: In einem Dorf nahe der Stadt Blantyre hat UNICEF eine solarbetriebene Pumpe installiert, die der Gemeinde hilft, sich auf zukünftige Notsituationen vorzubereiten.

Die Solarpumpe reicht tiefer in den Boden als eine Handpumpe. Das bedeutet, dass die Menschen auch während einer Dürre, wenn der Grundwasserspiegel sinkt, Zugang zu Wasser haben. Zudem ist die Pumpe wartungsarm, und Solarstrom ist billiger, umweltfreundlicher und nachhaltiger als teure Dieselgeneratoren.

Die 13-jährige Lucy aus Malawi hat endlich fließendes Wasser.

Endlich fließendes Wasser: Seit UNICEF im Dorf eine solarbetriebene Wasserpumpe installiert hat, hat die 13-jährige Lucy in Malawi jederzeit Zugang zu sauberem, sicherem Wasser.
© UNICEF/UN0119422/Chagara

Unsere UNICEF-Kollegen überall auf der Welt werden auch weiterhin daran arbeiten, die Wasserversorgung für die am meisten benachteiligten Familien und Kinder sicherzustellen. Seit 2014 hat UNICEF schon dazu beigetragen, dass mehr als 70 Millionen Menschen in ihrem Zuhause eine Grundversorgung haben, ebenso über 51.000 Schulen und rund 5.000 Gesundheitszentren. Allein im vergangenen Jahr haben 45 Millionen Menschen durch die Hilfe von UNICEF Trinkwasser erhalten.

KOMMENTARE

  • 30. August 2018 13:37 Uhr

    Guten Tag Frau Klawitter,
    vielen Dank für Ihren Kommentar.
    Grundsätzlich gibt es unter den UNICEF-Mitarbeitern weltweit einen hohen Frauenanteil, auch in leitenden Positionen. Als Beispiele könnte man hier die weltweite Exekutivdirektorin Henrietta Fore nennen, oder auch Kelly Ann Naylor, Global Chief of Water, Sanitation and Hygiene (WASH).
    Darüber hinaus hat UNICEF das EDGE-Zertifikat für „Gender Parity“ erhalten: https://www.unicef.org/press-releases/unicef-becomes-first-un-agency-get-workplace-gender-parity-certification
    Die genannten Zahlen können wir leider nicht nachvollziehen. Weltweit betreibt UNICEF deutlich mehr als 40 WASH-Programme. 2017 hat UNICEF WASH-Programme in 113 Ländern durchgeführt.
    Dass Frauen und junge Mädchen nicht selten die Hauptlast bei der Wasserversorgung ihrer Familie tragen, ist unbestritten. Darauf weisen wir auch regelmäßig hin. Viele junge Mädchen gehen beispielsweise nicht zur Schule, weil sie zu viel Zeit damit zubringen müssen, Wasser von weit entfernten Wasserstellen zu holen. Häufig bleiben sie auch während ihrer Menstruation zu Hause, wenn die Schule über keine angemessenen Sanitäranlagen verfügt (siehe Blog-Beitrag).
    Genauso sind aber auch Jungen davon betroffen, wenn Familien keinen oder eingeschränkten Zugang zu sicherem Trinkwasser und Hygiene haben (siehe etwa das Beispiel des 5-jährigen Baraka aus dem Blog).
    Nichtsdestotrotz ist es so, dass UNICEF sich in seinen Programmen auch immer mit der gesellschaftlichen Rolle von Frauen und Mädchen beschäftigt und diese stärkt. Genauso zielen die UNICEF WASH-Programme immer auch darauf ab, betroffene Mütter und Mädchen, die beispielsweise wegen des Mangels an Wasser und Hygiene keine Schule besuchen, zu unterstützen.
    Freundliche Grüße
    Tim Rohde
    UNICEF Presseteam

  • 28. August 2018 03:11 Uhr

    Fakten ueber Wasser ....von 40 Unicef Wash Programmen weltweit werden nur 4 ! VIER ! von Frauen als so genannte Chief WASH gefuehrt - leadership matters! Frauen und junge Maedchen tragen noch immer die Hauptlast in der Wasserversorgung, oder koennen wegen fehllender Sanitaerversorgung keine Schule besuchen. #equity #womenforwash

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