© UNICEF/UNI880902/ElfatihHunger im Sudan: Naba füttert ihren Sohn Adnan mit Erdnusspaste
Gut zu wissen

Hungersnot, Ernährungskrise, Mangelernährung – was ist das?

Im 21. Jahrhundert müsste kein Kind mehr an Hunger sterben. Und doch hungern weltweit Hunderttausende Jungen und Mädchen. Warum gibt es immer noch Hunger auf der Welt? Wann spricht man von einer Hungersnot? Diese und weitere Fragen beantworten wir hier.

Adnan (sieben Monate) aus dem Sudan, den Sie oben auf dem Bild sehen, war schwer akut mangelernährt und schwebte in Lebensgefahr. In einem Ernährungszentrum in Khartum hat er endlich Hilfe bekommen und wird mit therapeutischer Nahrung behandelt.

„Der Krieg hat uns und unsere Kinder schwer getroffen", sagt Adnans Mutter Naba. Im Sudan tobt seit April 2023 ein brutaler Krieg, der zur weltweit größten Hungerkrise geführt hat. In mehreren Gebieten des Landes droht eine Hungersnot auszubrechen – die schwerste Stufe einer Hungerkrise. Tausende Eltern wissen nicht, wovon sie ihre Kinder ernähren sollen. Die verzweifelte Suche nach Wasser und Nahrung ist für sie zum Alltag geworden.

Wie Adnan sind Hunderttausende Kinder von tödlichem Hunger bedroht. Unsere Kolleg*innen im Sudan rechnen damit, dass in diesem Jahr insgesamt mehr als 820.000 Kinder an schwerer Mangelernährung leiden werden.

Definitionen Hungersnot: Naba hält ihren Sohn Adnan auf dem Arm

Adnans Mutter Naba ist glücklich, dass es ihrem Sohn nach der Behandlung langsam besser geht. 

© UNICEF/UNI880907/Elfatih

In den vergangenen zwei Jahren ist es zu einer alarmierenden Entwicklung gekommen: Im Sudan wurde sowohl 2024 als auch 2025 eine Hungersnot in verschiedenen Teilen des Landes festgestellt. Und auch in einem Teil des Gazastreifens wurde im August 2025 eine Hungersnot festgestellt. Auch durch die Ausweitung humanitärer Hilfe konnten diese Hungersnöte zurückgedrängt werden.

Der Ausbruch einer Hungersnot ist ein dramatisches und sehr seltenes Ereignis. Und es ist vermeidbar. Wenn diese katastrophale Stufe einer Hungerkrise festgestellt wird, ist es für viele Kinder bereits zu spät.

Was genau bedeutet es, wenn eine Hungersnot festgestellt wird? Und wie wird sie gemessen? Um das zu verstehen, muss man zunächst ein paar Begriffe erklären.

Hunger und Hungersnot: Definitionen und Hintergründe

Was bedeutet Hunger?

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) beschreibt Hunger als ein unangenehmes oder schmerzhaftes körperliches Gefühl, das durch eine unzureichende Nahrungsaufnahme verursacht wird. Dieses körperliche Gefühl kann chronisch werden, wenn eine Person nicht regelmäßig genügend Kalorien zu sich nimmt.

Hat eine Person keinen regelmäßigen Zugang zu ausreichend sicheren und nährstoffreichen Lebensmitteln, die sie für Wachstum, Entwicklung und ein aktives, gesundes Leben benötigt, wird dies als Ernährungsunsicherheit beschrieben. Ernährungsunsicherheit kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein: leicht, mäßig oder schwer. Im schlimmsten Fall ist sie so schwer, dass ein Mensch tagelang nichts zu essen hat.

Defitionen Hungersnot: Nours Oberarm wird mit einem Maßband gemessen

In einem Gesundheitszentrum in einem Camp für Geflüchtete in Gaza wird Nour (sieben Monate) untersucht. Sie war schwer mangelernährt und hat sich davon etwas erholt. Ihr Gesundheitszustand wird regelmäßig überprüft. 

 

© UNICEF/UN0901817/Ba

Was ist eine Hungersnot?

Wenn in einer Region große Nahrungsmittelknappheit herrscht und viele Menschen nichts mehr zu essen haben, entstehen Ernährungskrisen. Eine Ernährungskrise ist aber per se noch keine Hungersnot. Offiziell wird eine Hungersnot nämlich von den Vereinten Nationen oder der jeweiligen Regierung eines Landes nach bestimmten Kriterien festgestellt.

Grundlage hierfür ist die Einschätzung einer internationalen Arbeitsgruppe nach den sogenannten "IPC-Phasen", die hierfür umfangreiche Daten erhebt. IPC steht für "Integrated Food Security Phase Classification". Auf dieser Skala für Ernährungssicherheit werden fünf Stufen unterschieden, die von Phase eins "Minimal" über "Strapaziert" (Englisch: Stressed), "Krise" (Crisis), "Notsituation" (Emergency) bis hin zu Phase fünf "Hungersnot" (Famine) reichen.

Bei Phase fünf – einer Hungersnot – müssen in einer betroffenen Region mindestens 20 Prozent der Menschen mit gravierenden Einschränkungen in der Nahrungsmittelversorgung zurechtkommen, mindestens 30 Prozent der Kinder unter fünf Jahren leiden an akuter Mangelernährung und mindestens zwei von 10.000 Menschen sterben täglich aufgrund von Mangel an Nahrungsmitteln oder einer Kombination von Hunger und Krankheiten.

Definitionen Hungersnot: Die kleine Anhar wird mit Erdnusspaste gefüttert

Im Sudan wird die einjährige Anhar mit nahrhafter Erdnusspaste gefüttert, um wieder zu Kräften zu kommen.

© UNICEF/UNI825157/Elfatih

Das klingt sehr technisch und das ist es auch, aber dafür gibt es Gründe: Auf diese Weise soll es objektive Kriterien geben, die international vergleichbar sind, damit niemand die Erklärung einer Hungersnot zum Beispiel für politische Zwecke nutzt.

Auch bevor offiziell eine Hungersnot erklärt wird, sind Kinder in großer Gefahr. Ohne Hilfe sterben Mädchen und Jungen, weil ihr Körper und ihr Immunsystem durch Mangelernährung, Krankheiten und starken Gewichtsverlust keine Widerstandskraft mehr haben. Andere tragen durch Mangelernährung, zum Beispiel hervorgerufen durch einseitige Fehlernährung, dauerhafte Schäden davon und bleiben in ihrer Entwicklung zurück.

Die kontinuierliche Nothilfe von UNICEF in Hungerkrisen, zum Beispiel im Sudan, in Somalia, im Jemen oder im Südsudan, ist genau deshalb so wichtig – auch wenn diese Krisen nicht im Licht der Weltöffentlichkeit stehen. Mit Ihrer Spende können Sie den Kindern helfen und Leben retten.

Unsere Hilfsgüter gegen den Hunger weltweit

Folgen von Hunger: Wann gilt ein Kind als mangelernährt?

Generell unterscheiden Ernährungsexpert*innen zwischen chronischer (langfristiger) und akuter Mangelernährung.

Als akut mangelernährt gelten Kinder, deren Körpergewicht unter 80 Prozent des für ihre Größe angemessenen Gewichts liegt. Beträgt das Gewicht weniger als 70 Prozent, spricht man von schwerer akuter Mangelernährung – die tödlichste Form von Mangelernährung. Zur Diagnose messen Fachkräfte zunehmend auch den Oberarmumfang des Kindes. Zeigt das Messband beim Messen den roten Bereich an, deutet dies auf eine schwere akute Mangelernährung hin.

Wenn Kinder lebensgefährlich mangelernährt sind, sind sie häufig so geschwächt, dass sie nicht einmal mehr lächeln oder nach etwas greifen können. Für ihre Eltern ist kaum zu ertragen, wie ihre Kinder immer mehr Lebenskraft verlieren. Schwer akut mangelernährte Kinder benötigen dringend therapeutische Behandlung.

Schwere Mangelernährung hat weitreichende Auswirkungen. Da die Verdauung beeinträchtigt wird, können Kinder nicht mehr normal essen. Die Nahrungsaufnahme durch den Körper funktioniert nicht richtig. Dadurch werden Kinder ab einem gewissen Punkt immer schwächer. Mangelernährte Kinder sind anfälliger für Erkrankungen wie Durchfall, Masern und Lungenentzündung.

Häufiges Kranksein wiederum zehrt ihren Körper weiter aus – ein Teufelskreis. Das Risiko, dass ein schwer mangelernährtes Kind stirbt, ist zwölfmal so hoch wie bei einem gesunden Kind.

Auch "moderate", chronische Mangelernährung (Wachstumsverzögerung) kann schwere Folgen haben: Wenn Kindern dauerhaft wichtige Nährstoffe fehlen, können sie sich nicht richtig entwickeln und können in ihrer gesamten geistigen und körperlichen Entwicklung Schäden davontragen.

Definitionen Hungersnot: Ein Junge wird gewogen

Die zweijährige Hasenat wurde in einer Gesundheitseinrichtung in Afghanistan wegen Mangelernährung behandelt. Nun wird sie gewogen, um zu überprüfen, wie sich ihr Zustand verändert hat.


© UNICEF/UNI540596/Haya Burhan

Wie viele Kinder hungern weltweit?

Laut dem aktuellen UN-Bericht The State of Food Security and Nutrition in the World (SOFI) sind weltweit rund 43 Millionen Kinder unter fünf Jahren akut mangelernährt, haben also ein zu geringes Körpergewicht für ihre Größe. 150 Millionen Kinder unter fünf Jahren sind chronisch mangelernährt, das heißt, dass sie für ihr Alter zu klein sind.

In welchen Ländern droht eine Hungersnot?

Von Ernährungsunsicherheit und Hunger betroffen sind besonders viele Länder auf dem afrikanischen Kontinent. Im Sudan, im Südsudan und in Somalia gibt es derzeit Gebiete, die gerade auf eine Katastrophe und gar eine Hungersnot zusteuern.

Im Südsudan haben die weiter eskalierende Gewalt, Vertreibung, wirtschaftliche und klimatische Schocks dazu geführt, dass Familien immer weniger Nahrung zur Verfügung haben. Auch in Somalia leidet die Bevölkerung seit Jahren unter einem Konflikt, wirtschaftlichen Krisen und Wetterextremen. Eine schwere Dürre hat die Hungerkrise in den letzten Monaten weiter verschärft. Über 430.000 Kinder sind von schwerer akuter Mangelernährung bedroht.

Und auch in Ländern wie Nigeria, Äthiopien und der Demokratischen Republik Kongo leiden zahlreiche Kinder unter Hunger. 2025 war Afrika mit 309 Millionen Menschen zum ersten Mal der Kontinent mit den meisten Menschen, die von Hunger betroffen waren.

Drohende Hungersnot in Somalia: Fadumo (2) isst Erdnusspaste

Die zweijährige Fadumo aus Somalia bekommt therapeutische Spezialnahrung in Form von Erdnusspaste. 

© UNICEF/UN0900770/Yasin

Im Nahen Osten leiden gerade besonders viele Menschen im Jemen Hunger. Über eine halbe Million Kinder sind dort lebensbedrohlich mangelernährt. Und auch in Ländern in Asien, wie in Pakistan und Afghanistan, wissen viele Familien in ihrer Not nicht, wie sie ihre Kinder satt bekommen sollen. In Afghanistan hat der Hunger ein erschreckendes Ausmaß erreicht: Nirgendwo sonst leben so viele Kinder unter fünf Jahren, die von lebensbedrohlicher Mangelernährung betroffen sind.

Dramatisch ist die Situation gerade auch im Karibikstaat Haiti. Die bewaffnete Gewalt und Vertreibung haben die schon zuvor schlechte humanitäre Lage für Kinder verschärft. Viele Familien haben nicht mehr genug Trinkwasser und Lebensmittel. Nach Schätzungen von UNICEF sind in Haiti über 250.000 Kinder von akuter Mangelernährung bedroht.

Warum gibt es Hunger – immer noch?

Diese Frage stellen wir uns oft. Die Weltgemeinschaft hat sich schon lange vorgenommen, extreme Armut und Hunger zu beenden. Die Beendigung von Hunger ist daher auch in den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen formuliert. Wie kann es also sein, dass es trotz aller Fortschritte und Technologien immer noch nicht gelungen ist, dieses grundlegende Recht auf Nahrungsmittel und auf Überleben für alle Menschen zu sichern? Warum gibt es noch immer schwere Hungerkrisen?

Definitionen Hungersnot: Menschen stehen in einer Schlange

In einem Binnenlager für Geflüchtete im Osten der Demokratischen Republik Kongo stehen Frauen mit ihren Kindern für Ernährungspakete an. Sie wurden durch den Konflikt im Land vertrieben.

© UNICEF/UNI539105/Benekire

Was sind die Ursachen von Hungerkrisen?

Kriege und Konflikte als Ursache von Hunger

Die Hauptursache von Ernährungskrisen und Mangelernährung sind Konflikte. In einem Krieg oder bewaffneten Konflikt werden ganze Familien brutal von ihren Feldern, ihren Arbeitsplätzen und aus ihrer Heimat vertrieben. Nicht selten wird der Haupternährer oder die Haupternährerin getötet, Familien werden auseinandergerissen und können ihren Lebensunterhalt nicht mehr ohne Hilfe bestreiten.

Viele Eltern in Konfliktregionen haben Schwierigkeiten, ausreichend Lebensmittel für ihre Kinder zu finden und zu bezahlen. So sind die Kinder schnell akut von Mangelernährung bedroht.

Dass im 21. Jahrhundert noch Kriege zu Hungersnöten führen, wie es in den letzten zwei Jahren im Sudan und im Gazastreifen passiert ist, ist eine katastrophale Entwicklung.

Definitionen Hungersnot: Kinder sitzen in einem Zelt in Gaza

In einem Zelt in Gaza sitzt der elfjährige Muhammad mit seiner Mutter und seinen Schwestern. 

© UNICEF/UNI539226/ZAGOUT

Konflikte können Hunger zudem über Landesgrenzen hinaus verschärfen: Die Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten zum Beispiel haben zu Einschränkungen auf internationalen Handelsrouten und in der Schifffahrt geführt. Aus der Ukraine wird aufgrund des Kriegs unter anderem weniger Getreide über das Schwarze Meer exportiert. Durch die Einschränkungen der Schiffffahrt in der Straße von Hormus haben sich Lieferzeiten verlängert und Preise für Transporte, Dünger oder Treibstoff sind gestiegen. Für Familien, die eigentlich Tausende Kilometer von diesen Konflikten entfernt leben, beispielsweise im Sudan oder in Somalia, bedeutet dies weniger und teurere Lebensmittel. Wenn diese Einschränkungen weiter bestehen bleiben, könnte das Millionen Menschen zusätzlich in den Hunger treiben.

Wetterextreme und Naturkatastrophen führen zu Hunger

Extremwetter und Naturkatastrophen, teils bedingt oder verstärkt durch den Klimawandel, können Hunger verschärfen. Zum Beispiel am Horn von Afrika, das unter schweren, wiederkehrenden Dürren leidet. In Somalia ist in den letzten Regenzeiten nicht genügend Regen gefallen. Vielerorts verdorrte die Ernte und das Vieh starb. Vor allem Kleinbauern und Kleinbäuerinnen verloren so ihre Einkommensgrundlage. Viele Menschen sind so verzweifelt, dass sie flüchten, um Hilfe zu bekommen.

Für die kommenden Monate wird ein El Niño erwartet, der wahrscheinlich besonders stark ausfallen wird. Das Wetterphänomen kann in manchen Regionen Extremwetter wie starke Regenfälle, Überschwemmungen und Wirbelstürme bringen. In anderen Regionen kann El Niño zu langanhaltender Trockenheit und Dürre führen. Für Kinder bedeutet das eine zusätzliche Gefahr. Es wird befürchtet, dass durch die Folgen von El Niño Millionen Menschen zusätzlich unter Hunger leiden werden.

Soziale Ungleichheit als Treiber von Hunger

Armut (bzw. Kinderarmut) ist sowohl Ursache als auch Folge von Hunger und anderen Formen der Mangelernährung. Mit anderen Worten: Arme Kinder leiden häufiger unter Hunger beziehungsweise sind schlecht ernährt und dadurch unterentwickelt (oder übergewichtig).

Armut ruft soziale Ungleichheit hervor. Mangelernährte Kinder haben ein hohes Risiko, in ihrer körperlichen und geistigen Entwicklung zurückzubleiben. Das können sie im späteren Leben oft nicht mehr aufholen. Sie haben dadurch schlechtere Chancen, zum Beispiel eine gut bezahlte Arbeit zu finden und vererben ihre Armut an die nächste Generation. Nur wenn es gelingt, diesen Kreislauf zu durchbrechen, kann Hunger so bald wie möglich der Vergangenheit angehören.

Auch Wirtschaftskrisen oder die Coronakrise mit ihren Folgen führten in der Vergangenheit dazu, dass viele Menschen ihre Arbeit verloren und gleichzeitig die Preise für Lebensmittel und für andere lebenswichtige Dinge wie Medikamente drastisch stiegen – so wurden Nahrungsmittel für arme Familien zum Teil unerschwinglich.

Info

Hätten Sie's gewusst?

Hunger weltweit zu beenden ist Ziel Nummer 2 der nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) der Agenda 2030. Lesen Sie hier mehr über die nachhaltigen Entwicklungsziele und warum wir sie nur erreichen können, wenn wir kein Kind zurücklassen.

Hilfe für von Hunger bedrohte Kinder

Wie kann man Kinder vor dem Hungertod retten?

Die gute Nachricht ist: Wird eine akute Mangelernährung rechtzeitig erkannt und behandelt, haben Kinder sehr gute Chancen, zu überleben und wieder gesund zu werden. UNICEF sorgt im Rahmen der Nothilfe in Krisensituationen weltweit dafür, dass der Ernährungszustand von möglichst vielen Kindern überprüft wird – das geht ganz leicht, indem man mit einem Maßband den Umfang des Oberarms misst. Zeigt das Maßband den roten Bereich an, muss das Kind umgehend behandelt werden.

Definitionen Hungersnot: Ein Kind im Jemen wird mit einem Maßband auf Mangelernährung untersucht

Mit einfachen Maßbändern lässt sich der Gesundheitszustand eines Kindes schnell erkennen: Grün bedeutet keine akute Mangelernährung, Gelb weist auf eine mögliche Mangelernährung hin, Rot auf eine schwere akute Mangelernährung. 

© UNICEF/UN0925628/Saeed

Zur Behandlung setzt UNICEF erfolgreich therapeutische Spezialnahrung ein, vor allem angereicherte Spezialmilch und Päckchen mit sehr energiehaltiger Erdnusspaste, die pro Päckchen 500 Kilokalorien enthält. Schon nach wenigen Tagen geht es den meisten Kindern damit deutlich besser.

Hilfe bei Mangelernährung: Was ist therapeutische Spezialnahrung?

Die therapeutische Spezialnahrung ist so zusammengesetzt, dass schwer mangelernährte Kinder sie auch im extrem ausgezehrten Zustand essen, schlucken und verdauen können. Sie enthält zudem lebenswichtige Vitamine und Mineralien, damit die Kinder wieder zu Kräften kommen.

Definitionen Hungersnot: Bilder von Erdnusspaste

Erdnusspaste ("Plumpy Nut" genannt) ist sehr lange haltbar und besteht aus Erdnüssen, Öl, Zucker, Milchpulver, Vitaminen und wichtigen Mineralstoffen.

© UNICEF/UNI420644/PLUS CREATIONS

Sehr junge und sehr geschwächte Kinder erhalten therapeutische Spezialmilch, eine Trinknahrung, die über einen Nasenschlauch oder mit einem Löffel in kleinen Portionen verabreicht wird. Manche Kinder müssen gleichzeitig zum Beispiel gegen Krankheiten wie Durchfall oder Malaria behandelt werden.

Wenn es den Kindern etwas besser geht, bekommen sie eine angereicherte Erdnusspaste. Die Erdnusspaste ist in kleinen Portionen verpackt, lange haltbar und kann direkt aus den Päckchen gefüttert werden. Wenn die Kinder nicht in einem kritischen Zustand sind, können ihre Eltern die Päckchen vom Ernährungszentrum mit nach Hause nehmen und ihre Kinder dort selbst versorgen.

Definitionen Hungersnot: Ein Kind isst Erdnusspaste

Die Erdnusspaste kann direkt aus den Päckchen gegessen werden.

© UNICEF/UNI419092/Prinsloo

Die mangelernährten Mädchen und Jungen erhalten die therapeutische Spezialnahrung in der Regel einige Wochen lang, bis sich ihr Gewicht stabilisiert hat. Während dieser Zeit werden sie weiterhin regelmäßig medizinisch untersucht.

UNICEF ist der weltweit größte Beschaffer von gebrauchsfertiger therapeutischer Spezialnahrung. Von 2003 bis 2025 hat UNICEF weltweit 8,7 Milliarden Päckchen Erdnusspaste beschafft und geliefert – und so Millionen Kindern geholfen, zu überleben und wieder zu Kräften zu kommen.

Bringt diese Hilfe überhaupt etwas?

Es ist frustrierend, dass es im 21. Jahrhundert immer noch nicht gelungen ist, den weltweiten Hunger zu beenden. Mangelernährung ist vermeidbar und behandelbar. Die aktuellen Krisen sind vor allem von Menschen gemacht: Im Sudan, im Jemen oder in Haiti haben Konflikte und Gewalt die ohnehin schon schwierige Situation der ärmsten Familien verschärft, weil sie zum Beispiel ihre Felder nicht bestellen konnten, weil Hilfslieferungen und Importe erschwert werden und die Lebensmittelpreise drastisch gestiegen sind. Wegen der Sicherheitslage haben Mitarbeitende von Hilfsorganisationen auch häufig keinen Zugang zu allen Menschen in Not.

Die Klimakrise führt dazu, dass gerade in Entwicklungsländern Naturkatastrophen wie Dürren, Überschwemmungen oder Wirbelstürme immer häufiger auftreten. Unter dem Klimawandel leiden vor allem die Länder am meisten, die am wenigsten zu seiner Verschärfung beitragen.

Die Kinder können nichts für diese Krisen – deshalb müssen wir alles tun, um zu verhindern, dass aus Hungerkrisen Hungersnöte werden. Unsere Kolleg*innen sind weltweit rund um die Uhr im Einsatz, um das Leben von Kindern zu retten.

Definitionen Hungersnot: Mütter und Kinder hören bei einer Ernährungsberatung zu

In einem Gesundheitszentrum klärt die Ernährungsberaterin Halima Muhammed aus Nigeria Mütter über die richtige Ernährung für ihre Kinder auf.

© UNICEF/UNI419570/Aina

Trotz vieler Herausforderungen erzielen wir immer wieder wichtige Erfolge. 2025 konnten wir zum Beispiel weltweit 255 Millionen Kinder auf schwere Mangelernährung untersuchen und haben neun Millionen betroffene Kinder behandelt. 34 Millionen Menschen haben wir gemeinsam mit unseren Partnern mit Trinkwasser versorgt. Die Hilfe macht also einen Unterschied!

Wussten Sie übrigens, dass die weltweite Kindersterblichkeit einen historischen Tiefstand erreicht hat? Die Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren ist seit dem Jahr 2000 weltweit um 51 Prozent gesunken. Flächendeckende Impfungen und auch der Einsatz von therapeutischer Zusatznahrung haben dazu beigetragen.

Unterstützen Sie unsere Hilfe gegen Hunger!

Jeder Beitrag hilft, das Leben von mangelernährten Kindern zu retten. Die nächsten Tage und Wochen entscheiden über das Leben von Hunderttausenden Kindern. Bitte helfen Sie mit! Sie können einmalig spenden oder als UNICEF-Dauerspender*in dauerhaft überall dort helfen, wo die Kinder gerade in größter Not sind. Danke!

Hintergrundinformationen

Ninja Charbonneau, Caroline Dohmen und Stefanie Hack haben diesen Beitrag gemeinsam verfasst. Der Artikel erschien bereits zu einem früheren Zeitpunkt erstmalig und wird von unseren Autorinnen regelmäßig mit neuen Zahlen und Geschichten aktualisiert.

Autor*in Stefanie Hack

Stefanie Hack arbeitet als Redakteurin mit dem Fokus Nothilfe. Im Blog schreibt sie über die weltweite Arbeit von UNICEF und entwicklungspolitische Themen.